Vancouver Island in 3 Wochen

Genau 21 Tage haben wir im Januar auf Vancouver Island verbracht – der 450 Kilometer langen Insel vor Vancouver. Die Insel ist die größte an der amerikanischen Westküste und vereint so ungefähr alles, was man als Reisende*r in Kanada sucht: Berge mit schneebedeckten Gipfeln im Landesinneren, Regenwälder mit über und über bemoosten Nadelbäumen und an der Pazifikküste wechseln sich Steilklippen mit Sandstränden ab.

Fähre von Vancouver nach Vancouver Island

Man kann von verschiedenen Startpunkten aus nach Vancouver Island mit der Fähre übersetzen. Da wir Silvester bei Freunden in Surrey verbrachten, entschieden wir uns, ab Vancouver Tsawwassen überzusetzen. Die Überfahrt kostete für uns und Elliott als oversize vehicle circa 90 CAD, also knapp 62 Euro. Dafür bekommt man – wenn das Wetter mitspielt – eine wirklich schöne anderthalb-stündige Fährfahrt entlang der an Vancouver Island angrenzenden Southern Gulf Islands, vorbei an vom Wind in irrwitzige Formen gekrümmten Schwarzfichten, kleinen Stränden und protzigen Villen in purer Idylle. In der Walsaison von Mai bis Oktober kann man neben Seelöwen auch Orcas und Grauwale beobachten – wir haben leider bis auf ein paar Möwen keine Tiere gesehen.

Südöstliche Insel – Sidney, Brentwood Bay & Sooke

Die erste Woche verbrachten wir im südöstlichen Teil der Insel. Auch Vancouver Island ist von den verregneten (aber dafür milden) Wintern geprägt, die wir schon aus Vancouver kannten. Um uns nicht ständig vom Wetter unsere Pläne durchkreuzen zu lassen, rechneten wir eigentlich jeden Tag damit, dass es regnete. So verbrachten wir viel Zeit in Cafés und arbeiteten bei Unmengen an Kaffee ein wenig. Während einer der erste Nächte mit Stellplatz an einem See trafen wir auf einen anderen Vanreisenden, der uns ein paar Stellplätze auf Vancouver Island empfahl. Denn auch hier auf der Insel gibt es eine zum Teil äußerst strikte „no overnight“ policy und wer nicht jede Nacht auf einem Walmart Parkplatz verbringen will oder keine Lust hat, dass ein Officer der RCMP nachts ans Fenster klopft, tut ganz gut mit ein paar Stellplatz-Tipps von Locals. So standen wir mit Elliott die nächsten zwei Nächte mitten im borealen Regenwald und verbrachten die Tage mit Wandern, wobei sich nach langer Zeit sogar mal wieder die Sonne zeigte. Auch ein Ausflug in die ländliche Gegend Brentwood Bay ist empfehlenswert. Hier reihen sich schöne Häuser aneinander und jeder hat eine kleine Minifarm mit wenigstens ein paar Hühnern. Wir haben uns danach etwas geärgert, dass wir keine von den überall feilgebotenen frischen Farm-Eiern mitgenommen haben.

In Sooke an der ziemlich einsamen südlichen Spitze von Vancouver Island besuchten wir den Sooke Potholes Provincial Park. Durch den Park fließen mehrere Bäche, die um diese Jahreszeit nicht gerade wenig Wasser führten. Im Sommer ist das dort ein wunderschöner Ort zum baden – auch wenn die Bäche sicher richtig kalt sind. Eigentlich hatten wir vor, direkt im Park zu übernachten – natürlich unerlaubt. Ich hielt das zwar für keine gute Idee, gab aber nach – und dachte mir meinen Teil, als abends ein entnervter Ranger mit Taschenlampe an unsere Tür pochte und uns – nachdem wir einen Anschiss einkassiert hatten – aus dem Park herauseskortieren musste. Zum Glück durften wir direkt vor dem Eingang übernachten, sodass wir am nächsten Morgen recht zeitig wieder reinfahren konnten. Wir wanderten auf einem alten Rail Trail, der uns zu einer Goldgräber-Geisterstadt führen sollte. Doch als wir nach 8 Kilometern am Ziel ankamen, war von einer alten verlassenen Stadt keine Spur, nicht mal das Fundament oder Ruinen ließen sich finden. Das mag natürlich daran liegen, dass die Kanadier schon immer vorzugsweise aus Holz bauten und das nach 100 Jahren verwittert ist (by the way: wie irre ist das eigentlich, dass die Städte hier zum Teil gerade einmal 100 Jahre alt sind?). Wir waren zugegebenermaßen etwas enttäuscht, denn das einzige, was sich von der vermeintlichen Geisterstadt zeigte, war eine Art alter Bagger, mit dem vielleicht zu Goldgräberzeiten Steine und Kies aus dem Flussbett gebaggert wurden, in der Hoffnung, im Matsch und Gestein Gold zu finden. Zugleich sah der Bagger aber nicht nach 1913 aus, sondern eher nach 1960. So richtig konnten wir es nicht rausbekommen und wir zogen, nachdem wir noch auf ein paar alten Baumstämmen rumkletterten, wieder ab.

On the road again to Nanaimo

Nanaimo ist neben Victoria die zweitgrößte Stadt auf Vancouver Island. Wir sind bisher noch nicht die größten Fans kanadischer Städte geworden, doch wer auf dem Weg in die südlichen Surferorte der Insel ist, fährt automatisch an Nanaimo vorbei. Da vom südöstlichen Zipfel der Insel bis nach Tofino und Ucluelet in der Mitte keine Straße führt, muss man einmal die ganze Insel durchqueren, um bei Nanaimo auf dem Highway 4 zu landen, der wieder Richtung Süden bzw. Südwesten führt. Zudem hatten wir neue LED-Leuchten und Schneeketten für Elliott bestellt, die wir in Nanaimo abholen mussten. Schon die Hinfahrt nach Nanaimo war aufregend, denn obwohl die Durchschnittstemperatur auf Vancouver Island im Winter 8 Grad Celsius beträgt, wurden wir vom Schnee überrascht – und nicht gerade von wenig. Die Schneeketten lagen ja aber leider noch in einem Post Office an unserem Zielort. Also ohne weiter. Dieses Mal war die Fahrt im Schnee glücklicherweise erträglich und auch wenn wir etwas mit Elliott gerutscht sind, hatte ich nicht solche Panik wie bei der Fahrt über die Columbia Mountains zu Weihnachten – das lag aber wohl erstens daran, dass die Berge auf Vancouver Island nicht annähernd zu hoch sind und sich der kleine Highway die meiste Zeit durch Täler schlängelte und zweitens weil ich selbst fuhr. Sitze ich nämlich am Steuer, habe ich das Gefühl, die Kontrolle über die Situation in meiner Hand zu haben und bin dadurch viel ruhiger, wenn die Situation um mich herum droht, brenzlig zu werden. Dafür hatte Christopher aber so einiges an Herzrasen..

In Nanaimo angekommen waren wir deshalb auch beide ziemlich fertig und wollte nur noch einen Stellplatz für die Nacht finden. Dunkelheit, strömender Regen und zwei Beinahe-Unfälle trugen nicht dazu bei, uns zu entspannen. Endlich hatten wir einen Platz gefunden – zwar nah am Highway (die gehen grundsätzlich durch die Städte), aber dafür mit Blick auf den Pazifik. Obwohl ich den Tag am liebsten aus dem Kalender hätte streichen wollen, entschieden wir uns, die – laut Reiseführer extrem schlechte – Kneipenszene der Stadt zu erkunden und nach 2-3 Bier den Tag zu vergessen. Wir landeten namensgebend in der Nanaimo-Bar und ließen uns volllaufen. Livemusik von einer jungen Sängerin tat ihr übriges und ich wurde noch ziemlich sentimental an diesem Abend.  

Pacific Rim National Reserve & Surfervibes in Tofino

Nach zwei Tagen Nanaimo, die wir mit Kneipenbesuchen und arbeiten in der Unibibliothek verbrachten, konnten wir am dritten Tag endlich die Schneeketten abholen und die Stadt verlassen. Nochmal tanken und ab auf den Highway 4 Richtung Tofino. Von Freunden bereits in Deutschland empfohlen sind Tofino und sein kleiner Nachbarort Ucluelet das Ziel auf Vancouver Island für Surfer, Hippies und Ökotouristen. Im Sommer können sich die 2050 und 1500 Einwohner zählenden Örtchen vor Touristen kaum retten und die Preise für die Campingplätze steigen ins Astronomische (50 CAD für einen Stellplatz mit Plumpsklo). Außerhalb der Saison – das heißt im Januar so richtig richtig außerhalb der Saison – ist in den Dörfern aber nicht viel los, die Campingplätze sind dicht und aufgrund der wenigen Besucher haben auch viele Cafés und Restaurants geschlossen oder verkürzte Öffnungszeiten. Was aber im Winter das Highlight an der südlichen Küste ist, ist Stormwatching. Ab Tofino gibt es nämlich bis nach Japan keine Landmasse mehr zwischen den Küsten und durch die Winterstürme lassen sich spektakuläre Wellen erleben. Besonders gut funktioniert das an den ewig langen Stränden im Pacifik Rim National Reservate. Der Park zieht sich die komplette Küste zwischen den beiden circa 40 Kilometer entfernten Orten entlang. Man benötigt einen Parkpass, den man sich an den gelben Automaten auf den öffentlichen Parkplätzen des Parks kaufen kann. Der kostet pro Person für anderthalb Tage 10 CAD – ob ihn im Januar wirklich jemand kontrolliert, wissen wir nicht – wahrscheinlich nicht, denn wir waren fast immer die einzigen Menschen am Strand und im Nationalpark. Ich hatte gehofft, auch im Januar ein paar verrückte Surfer im Pazifik zu entdecken, denn uns sind so einige Autos mit Surfbrettern auf dem Dach entgegengekommen. Glück hatten wir keins, dafür den gesamten Strand für uns alleine – inklusive echt mächtiger Wellen! Im Park wird überall vor Tiedenhub, unexpected waves und den Stürmen gewarnt und auch wir haben erlebt, dass diese Warnungen absolut ihre Berechtigung haben. Wenn man nämlich denkt, dass die Wellen sich bei Ebbe mehr und mehr zurückziehen, kommt plötzlich schlagartig eine Welle über den Sand gepeitscht, die dir nicht nur nasse Schuhe macht, sondern auch nasse Knie. Für uns war es aber ein Heidenspaß, vor den riesigen Wellen davonzurennen. Zudem kann man beim Spaziergang über den Strand im Pacific Rim wirklich schönes Strandgut entdecken: Miesmuscheln, Treibholz in allen möglichen Größen und Formen, schöne Steine und ulkig anmutende Algen – besonders letzte hatten es uns angetan, denn sowas haben wir noch nicht gesehen.

Außer den kleinen Orten Tofino und Ucluelet gibt es an dieser Seite der Insel keine Orte, die sich mit dem Auto erreichen lassen. Weil auch in den Orten striktes Camping-Verbot herrscht, haben wir uns einige Kilometer weit entfernt in Straßennähe gestellt und wurden auch hier eines Morgens wieder mit dem für die Insel eigentlich untypischen Schnee überrascht. Obwohl die Temperaturen fielen, hatte ich dann doch Glück: mit dicken Neoprenanzügen stürzten sich eines sonnigen Nachmittags mehrere mutige Surfer ins Wasser, im Wettlauf mit den eiskalten Wellen des Pazifiks. Vancouver Island, wir kommen wieder.

 

Der Horror-Autokauf

Die Menschen, die mich kennen, wissen es wahrscheinlich bereits: Ich bin nicht unbedingt für mein starkes Nervenkostüm bekannt. In stressigen Situationen bewahre ich keinen kühlen Kopf, meine Stimmung schlägt schnell mal in Weltuntergang um und ich selbst würde mich ohne Frage als Pessimistin bezeichnen. Das durfte ich kürzlich endlich mal wieder beweisen: Beim aller furchtbarsten (und einzigen) Autokauf meines Lebens. 

Warum wollen wir einen Van?

Aber von vorn. Wir waren uns bereits in Deutschland schnell einig, dass wir uns in Kanada ein Auto kaufen würden. Zu groß sind die Distanzen, um sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu überwinden, zu stark der Wunsch nach Unabhängigkeit und zu gering unser Budget, jeden Monat knapp 1.000 Euro für Airbnb-Unterkünfte zu bezahlen – von Hostels ganz zu schweigen, diese kosten in Kanada nämlich schnell das Doppelte von dem, was man zu zweit für Airbnb zahlt (und das in einem 10-Mann-Schlafsaal). Also ein Auto. Der Gebrauchtwagenmarkt in Kanada ist riesig und es stellt sich nur die Frage, was einem vorschwebt. Auch hier hatte ich schnell einen festen Standpunkt: Ein Campervan soll es sein, groß genug, um nicht nur gemütlich darin zu schlafen, sondern bei schlechtem bzw. kaltem Wetter auch zu kochen und zu arbeiten. Wir waren im Sommer mit unseren Freunden eine Woche in Norwegen unterwegs und hatten in dieser Zeit in unserem alten Auto Olaf übernachtet. Das ging, weil es ein Opel Zafira mit 7 Sitzen war und es genügend Platz gab, um auf eine Holzkonstruktion eine 1,40 m-Matratze draufzuschmeißen und ganz gemütlich zu schlafen. Sitzen konnte man jedoch nicht, und kochen ging ebenfalls nur unter freien Himmel (im Sommer schön, in den regnerischen Vancouver-Wintern jedoch eher so semi). Daher wollte ich keinen PKW-7-Sitzer, auch wenn die in Kanada als Camper ziemlich beliebt und zugegebenermaßen auch ein Stück größer sind als vergleichbare Autos in Deutschland.

Was für ein Van soll es werden?

Wer in Kanada einen fahrbaren Untersatz sucht, muss sich also nur entscheiden, welches Modell er haben möchte und wie alt es maximal sein soll. Craigslist vereint hier eBay-Kleinanzeigen, Wohnungsportale und Jobplattformen und man findet eigentlich alles und jeden – sowohl Privat- als auch gewerbliche Verkäufer. Zusätzlich war ich in mehreren Backpacker- und Work-and-Travel-Gruppen auf Facebook angemeldet, auf denen ebenfalls immer wieder Campervans in ganz Kanada verkauft wurden, häufig auch mit der kompletten Ausstattung von A wie Antenne bis Z wie Zitronenpresse. Da wir zur Zeit in Vancouver sind, wollten wir am liebsten auch direkt hier den Van kaufen. Im Notfall wäre auch der Rest von British Columbia gegangen, allerdings sind die Entfernungen wie bereits erwähnt häufig kein Pappenstiel und man fährt schnell mal 5, 6 Stunden bis zum nächsten Ort mit den öffentlichen Greyhound-Überlandbussen. Während der ersten zwei Wochen hatten wir ja ein Airbnb in einem Vorort, das heißt es war genug Zeit und Ruhe da, um stundenlang nach potenziellen Bussen zu recherchieren, Preise zu vergleichen und zu überlegen, welche Modelle überhaupt in Frage kämen. In unserer Vorstellung waren vor allem die folgenden: Dodge Ram B250 Campervan und Ford Econoline E-250 Campervan. Klar wäre es auch ziemlich schön, einen alten VW-Bus zu kaufen wie unsere Freunde Lotte und Meint mit Karlsson (deren Europareise könnt ihr übrigens hier verfolgen: lifeontheroad) – hat der allerdings Probleme, und muss mal in die Werkstatt, ist es deutlich schwieriger (und damit natürlich auch teurer) für einen alten deutschen Bus Ersatzteile zu finden, als für einen alten amerikanischen. Also ein Modell von hier, mit denen sich die Jungs und Mädels in der Werkstatt auch auskennen. Ich selbst habe von Autos übrigens überhaupt keinen Dunst (daher hätte ich wahrscheinlich auch `nen alten T3 gekauft).

Nach ein paar Tagen Recherche hatte Chrissi ein paar Vans gefunden, die vielversprechend aussahen. Von denen meldeten sich zwei Privatpersonen zurück und so schauten wir uns als erstes Bessie Blue an, einen Dodge Ram 250, Baujahr 1983. An diesem Tag tauchten wir zum ersten Mal richtig in die kanadische Freundlichkeit ein: Emily, Bessies Besitzerin war super herzlich und hat sich viel Zeit genommen, uns alles zu zeigen und eine Testfahrt zu machen. Doch Bessies 36 Jahre sah man ihr auch an:  Heizung und Klimaanlagen defekt, die Windschutzscheibe durchzog ein fetter Riss und die Reifen hätten wir ebenfalls tauschen müssen – und das waren vorerst nur die offensichtlichen Dinge, genaueres hätte ein CheckUp beim Mechaniker zeigen müssen. Daher entschieden wir uns nach einigen Tagen gegen Bessie, auch wenn ich mein Herz schon ein bisschen an sie verloren hatte. Wir hatten allerdings noch einen Bus in der „Hinterhand“, den wir uns ein paar Tage später auf einem Mall Parkplatz ansahen. Brit und Joe, die Besitzer und deren Hündin Shadow waren vor Kurzem in ihr Tiny House gezogen und wollten ihren alten Van daher verkaufen. Das gleiche Modell wie Bessie, ein Dodge Ram B250 Campervan, Baujahr 1989. Blaugrau, Automatik, Innenausstattung mit Spüle, Kühlschrank, Heizung, Schränken und Bett (so viel zu den Sachen, die mir wichtig sind, ich sagte es ja bereits: ich habe keinen Dunst von Autos). Nach einer kurzen Probefahrt waren wir uns beinahe sicher – wir wollten ihn. Chrissi hatte mehr Bedenken und ein mulmiges Bauchgefühl (ob sich dieses noch bewahrheiten soll, werdet ihr noch erfahren). Nachdem wir bei einem Kaffee alle Bedenken, Vor- und Nachteile besprochen hatten, trafen wir uns mit nach einer Stunde wieder mit Brit und Joe, um ihnen unsere Entscheidung mitzuteilen: wir kaufen den Bus. Das Zünglein an der Waage: Der Preis. Die beiden wollten 8.200 CAD haben, was umgerechnet 5.600 Euro sind. Zu viel für uns, denn mit dem Kauf ist es ja nicht getan. Da fehlt eine Versicherung – die in British Columbia verstaatlicht ist und daher nicht dem Preisdumping und Wettbewerb des freien Marktes unterliegt, was wiederum dazu führt, dass sie nicht gerade billig ist – und Steuern mussten wir auch noch zahlen. Wir hatten vor, die beiden auf 7.500 CAD, also 5150 Euro herunterzuhandeln. Geeinigt haben wir uns schlussendlich bei 7.800. Wir hatten auch nicht wirklich viele Argumente, denn auf den ersten Blick sah alles sehr gepflegt und gut im Schuss aus. Außerdem erschien uns der Preis als sehr fair – verglichen mit dem was wir im Internet bisher recherchiert hatten.

Was war denn jetzt so schlimm an dem Autokauf?

Ja, das fragt ihr euch. Und ich werde euch die Frage beantworten: Die anschließende „Bezahlung“ des Vans. Wir hatten nämlich vercheckt, dass bei unserer Bank pro Tag nur 1.000 Euro am Automaten abgehoben werden konnten. Zusätzlich hatte ich einige Tage zuvor (mal wieder) meine Meisterleistung vollbracht, mein Online-Banking durch dreimaliges Falscheingeben des Passwortes zu sperren, sodass ich diese 1.000 Euro nicht mal abheben konnte, da ich kein Geld von Debit- auf Kreditkarte überweisen konnte. Bravo. Wir hatten also zum Zeitpunkt der Bezahlung gerade einmal 2.300 CAD in Bar zusammengekratzt. Und die Differenz? Naja, man könnte meinen, kein Problem, mach einfach ‚ne Überweisung und zeig dem Käufer den Beleg oder nutze Paypal, dann hat er das Geld gleich auf seinem Paypal-Konto. Ja, liebe Leute, das ist eine schöne Idee, wenn ihr euren Campervan in Deutschland von einem deutschen Händler kauft. Bei internationalen Überweisungen ist das eine ganze Ecke schwieriger, denn die kosten einfach enorme Gebühren. Kreditinstitute behalten bis zu 10 Prozent des zu überweisenden Betrags als Gebühren ein. Zudem ist der Wechselkurs in die ausländische Währung unterirdisch. Bei einem Betrag von mehreren Tausend Euro hätten wir also mit Paypal & internationaler Überweisung enorme Verluste gemacht – zumal letztere einige Zeit braucht, bis die eigene Hausbank das Geld auf das ausländische Konto transferiert hat. Das war wiederum den Verkäufern nicht ganz lieb, was man ja auch verstehen kann, schließlich kannten die beiden uns gerade einmal 2 Stunden. Also musste eine andere Lösung her: Xoom, ein Service von Paypal für eben solche internationale Geldtransfers. Wir saßen also im Bus, draußen regnete es, und wir versuchten, uns dort anzumelden und das Geld auf Joes Konto zu versenden. Doch es klappte nicht. Da wir uns den Grund für die wiederholten Fehlermeldungen nicht erklären konnten, riefen wir schließlich den Kundenservice von Xoom an. Dort meldete sich ein Inder, dessen Englisch wir bei aller Mühe einfach nicht verstehen konnten, selbst die beiden Kanadier hatten ihre Probleme, konnten aber zumindest ein bisschen als Übersetzer fungieren. So stellte sich heraus, dass der maximale Überweisungsbetrag pro Tag ebenfalls nur 1.000 Euro betrug. Nebenbei konnte ich übrigens überhaupt nichts überweisen, denn ich war zuvor so naiv gewesen, zu glauben, ich könnte mit einem gesperrten Online-Banking-Account irgendetwas machen. Haha, fail – Weltuntergangsstimmung incoming!

Die einzige Möglichkeit, die maximale Überweisungssumme zu erhöhen, war eine Verifizierung mit ID und irgendwelchen Dokumenten, was aus anderen Gründen auch nicht geklappt hat. Wir standen also da, wollten unbedingt diesen Bus kaufen für knapp 5.350 Euro – hatten aber umgerechnet nur 1580 in bar. Beste Voraussetzungen also und Grund genug für mich, auf dem kalten Boden in der Ecke des Busses langsam weinerlich zu werden (rückblickend betrachtet kann ich über diese ganze Geschichte natürlich lachen, aber da stand ich gefühlt wirklich kurz vor ’nem Nervenzusammenbruch). Nach mehreren Telefonaten und Warteschleifen von Xoom hatten wir endlich einen Teil des Geldes überwiesen. Den Restbetrag – wir saßen zu diesem Zeitpunkt übrigens bereits circa 3 Stunden in diesem Bus – haben wir dann mittels TransferWise überwiesen, eine Plattform, die ihr Geld durch die aktuellen Wechselkurse verdient, weshalb die Transfergebühren überschaubar und fair sind. Zwar gab es auch hier einen Maximalbetrag, aber dieser galt (Gott sei Dank!) nur für die einzelnen Überweisungen, sodass wir den Betrag einfach in mehrere Überweisungen aufsplitten konnten. Ich habe während dieser letzten Überweisungen jedes Mal auf die Fehlermeldung gewartet, dass das Konto nicht weiter überzogen werden kann – denn alles Geld musste ja dank meines gesperrten Bank-Accounts von Chrissis Konto abgehen. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Es war zwar mittlerweile dunkel (wir trafen uns übrigens bereits 11 Uhr zur Bus-Besichtigung), aber wir hatten es geschafft. Der Bus hatte seine Besitzer gewechselt.