Unterwegs auf der größten Süßwasser-Insel der Welt

Von der Pancake Bay geht’s weiter am Lake Superior entlang. Wir essen die besten Apple Fritters der Welt in einer Tankstelle am Highway. Das ist ein süßes und wie der Name schon sagt frittiertes Gepäck mit Apfelstückchen und bestäubt mit Puderzucker. Nach der Zucker-Fett-Bombe geht’s weiter nach Sault St. Marie, einer so semi schönen Stadt, aber wenigstens finden wir eine spottbillige Tankstelle in einem Reservat der First Nations. Benzin ist in Kanada aber im Vergleich zu Deutschland sowieso viel günstiger: 1 Liter kostet umgerechnet etwa 0,60 Euro-Cent. Von „The Soo“ ballern wir die knapp 350 km bis zu unserem nächsten Ziel an einem Stück, immer entlang des Trans-Canada-Highways. Zwar ist der Lake Superior in St. Sault Marie sozusagen zu Ende, aber man muss nicht traurig sein: Die Fahrt entlang der Küste ist gesichert. Nicht weit hinter St. Sault Marie beginnt nämlich bereits der Lake Huron, der ebenso wie der Lake Superior zu den Great Lakes gehört.

Auf Manitoulin Island hoffen wir, unsere liebsten Slowenen Sandra und Andrej wieder zu treffen. Die wollen ihre Workaway Gastgeber vom letzten Jahr besuchen, bevor sie Ende Oktober nach anderthalb Jahren Kanadaabenteuer wieder nach Hause fliegen. Wir schaffen den langen Weg und kommen nach 5 Stunden Fahrtzeit erschöpft vor Manitoulin Island an. Wir wollen diese Nacht nicht mehr im Dunkeln auf die Insel fahren, sondern auf der direkt davor liegenden Goat Island auf auf einem Stück Crown Land stehen. Crown Land ist in Kanada öffentliches Land, dass jeder Kanadier frei benutzen kann, z. B. zum Jagen und Campen. Nicht-Kanadier brauchen eigentlich eine Genehmigung, aber wir zählen uns mittlerweile als Kanadier, also ist uns das wurscht. Meist sind die Crown Land Spots wunderschön gelegen, an Seen oder Buchten wie der Pancake Bay am Lake Superior. Auch ist es typisch, dass man meist allein ist und die Natur und die Ruhe für sich hat, denn die Spots liegen in ländlichen Regionen und der Anfahrtsweg ist manchmal etwas beschwerlich und erst nach langen Fahrten über mit Schlaglöchern gespickte Schotterpisten zu erreichen. Wir erwarten also mal wieder einen wunderbaren, kostenlosen Stellplatz direkt am Ufer des Lake Hurons, als wir auf der kleinen Goat Island ankommen. Ich habe den Spot wie fast immer über die App iOverlander gefunden. Doch ein paar Kilometer bevor Chrissi abbiegen soll, verschwindet die Markierung auf der Karte plötzlich. Häh? Was da jetzt los? Und tatsächlich, auch nach Beenden der App und sogar einem Neustart meines Telefons ist der Spot verschwunden. Es ist dunkel, Elliotts Scheinwerfer sind nicht der Rede wert – und wir finden diesen verdammten Spot nicht. Weil wir müde sind, parken wir an einer kleinen Bootsanlegestelle und bleiben dort für die Nacht, wir können morgen immer noch nach dem Crown Land Platz Ausschau halten. Der Platz ist nicht der schönste, der Highway ist nah, aber immerhin gibt es in der Nacht kaum Verkehr und es ist vergleichsweise ruhig. Außerdem fängt es an zu regnen, was die Qualität eines Übernachtungsstellplatzes sowieso irgendwie trivial erscheinen lässt – so lange wir zumindest halbwegs gerade stehen, ist alles gut.

Am nächsten Morgen fahren wir dann über eine Schwingbrücke auf die Insel und machen den ersten Stopp bei „The Port“ – denn ich hab absoluten, unstillbaren Heißhunger auf Fish & Chips. Eigentlich versuchen wir auf die meisten tierischen Produkte zu verzichten. Aber manchmal muss man seinen Gelüsten nachgeben und so essen wir 5 Minuten nach Ladeneröffnung sozusagen zum Frühstück morgens um 11 Backfisch und fettige Pommes. Geil! Weiter geht’s auf die Insel. Wir haben nicht so den richtigen Dunst, was wir eigentlich überhaupt machen wollen und halten erstmal beim Visitor Center, um uns eine Karte und ein paar Tipps zu holen.

Manitoulin Island liegt im Lake Huron und ist die größte Süßwasserinsel der Welt. Auf der Insel selbst gibt es wiederum mehr als hundert kleinere Seen, von denen manche Inseln haben – Inseln in Seen auf einer Insel im See also :D. Auf Manitoulin leben viele Angehörige der First Nation der Anishnaabeg. Wir hoffen, ein bisschen mehr in indigene Kultur eintauchen zu können. Unser erster Stopp ist aber ein Wasserfall, die Bridal Veil Falls (warum die im Englischen im Plural sind, weiß ich nicht, gefunden haben wir jedenfalls nur einen). Der Weg ist nicht weit, obwohl die kürzeste Strecke aufgrund von Covid-Vorsichtsmaßnahmen geschlossen ist. Es sind außer uns auch noch ein paar Menschen unterwegs, aber auch hier kehrt Anfang Oktober schon ein bisschen die Winterruhe ein. Doch die Herbstfarben leuchten wunderschön, und auch der Wasserfall ist nett anzuschauen. Auf ein Bad verzichten wir aufgrund der Temperaturen jedoch (obwohl wir dringend baden müssten).

Wir düdeln mit Elliott noch ein bisschen über die Insel und stoppen am weißen Sandstrand. Restaurants und Cafés haben zu, vielleicht wegen der Nebensaison, vielleicht auch wegen Covid. Wir spazieren barfuß am Strand und lassen uns die steife Brise um die Nase wehen. Wie am Lake Superior auch, hat man am Lake Huron das Gefühl, dass man eher am Meer als an einem See ist. Wind und Wetter sprechen dafür. Da wir auf der Insel selbst nicht so wirklich wildcampen können und Großteile leider gesperrt sind (die Straßen zu den Reservaten sind aufgrund steigender Covid-19 Fallzahlen gesperrt worden), versuchen wir es nochmal mit dem Crown Land Spot direkt vor der Insel. Wir finden ihn schließlich auch, und stellen fest, dass wir an besagter Stelle schon die Nacht davor waren – aber wieder weggefahren sind, weil ein großes „No Overnight Camping“-Schild das Wildcampen untersagt. Diese Nacht entscheiden wir uns aber dafür, darauf zu pfeifen und bleiben direkt am See.

Am Ende unserer paar Tage auf Manitoulin treffen wir schließlich endlich Sandra und Andrej. Die Wiedersehensfreude ist groß, als die beiden mit ihrem kleinen silbernen Honda auf den Mc Donalds Parkplatz einbiegen (wir werden ihre Gelüste für dieses Unternehmen nie so wirklich nachvollziehen können). Wir tauschen uns über unsere letzten Monate aus, trinken einen Kaffee und dann heißt es leider auch schon wieder Abschied nehmen – doch nicht für immer, das ist klar.

Am Lake Superior entlang

Von Manitoba geht’s Anfang September endlich nach Ontario. Wir müssen ein bisschen aufs Gaspedal drücken, denn wir haben Ersatzteile für unseren Propan-Ofen aus den USA bestellt, die zurückgeschickt werden, sollten wir sie nicht bis zum 4. September in Thunder Bay abholen. Daher ist der erste Stopp in Ontario nur kurz, aber umso schöner. Kenora liegt am Lake of the Woods, der sich über die kanadischen Provinzen Manitoba und Ontario sowie den US-Staat Minnesota erstreckt. Landschaftlich erinnert uns die Gegend um Kenora an Vancouver Island, nur der Regenwald fehlt (okay und natürlich der Pazifik, ist klar). Dafür gibt es unendlich viele Seen, Buchten und felsige, mit grünen Moosen und gelblichen Flechten bedeckte Hügel, an die sich viele kleine (und große) Cottages anschließen. Viele der Einwohner Torontos haben hier in der Gegend ein Wochenendhäuschen, sodass im Sommer ziemlich viel los ist, während Kenora in den Wintermonaten in einen Tiefschlaf verfällt. Wir kommen noch vor dem Winterschlaf, so dass noch ein bisschen was los ist. Wir besuchen den wöchentlichen farmers market und machen eine schöne Wanderung entlang der schroffen Felsen der Tunnel Island.

Weiter geht’s nach Thunder Bay. Der 130.000-Einwohner-Ort liegt absolut isoliert: Von Manitobas Hauptstadt Winnipeg (wo wir übrigens zum ersten Mal Pommes mit Essig und Salz gegessen haben – und holla, das ist mal richtig gut!) sind es bis nach Thunder Bay mehr als 700km – und bis zur nächsten größeren Stadt Sault St. Marie (von Einheimischen „The Soo“ genannt) ist es nochmal ein bisschen länger. Wir werden in Thunder Bay viel länger bleiben, als ursprünglich gedacht. Ungeplante Dinge passieren, wir müssen uns neuorganisieren, arbeiten, auf Postbestellungen warten, Elliott reparieren. So ziehen 3 Wochen ins Land, bevor wir weiterfahren können. Als wir endlich wieder on the road sind, ist Elliotts Wassertank frisch gefüllt, unser Furnace funktioniert wieder (was wichtig ist, denn es geht straight auf den Oktober zu und die Temperaturen fallen bereits unter null) und wir haben viel Essen und Bier an Board. Perfekt also, um uns nach den 3 stressigen Wochen in Thunder Bay zu entspannen und aus der Großstadt zurück in die Natur zu fliehen.

Und das machen wir auch: am Highway 17 geht es immer entlang an der Küstenlinie des Lake Superiors, Berg auf und Berg ab, sodass Elliott zwischenzeitlich ganz schön schnauft. Die Aussicht auf den riesigen See, der wie der Name vermuten lässt, zu den Great Lakes gehört, ist wunderschön. Die Great Lakes liegen sowohl in Kanada als auch in den USA. Den Lake Superior teilen sich die beiden Länder. Wie uns später erzählt wird, würde Belgien ganze 3 Mal in voller Größe in den See passen und auch wenn Freunde anderer Meinung waren, ist er flächenmäßig der größte See der Welt ist. Das steht so auf Schildern im gleichnamigen Lake Superior Provincial Park (und auf Wikipedia), unserem ersten Stopp nachdem wir Thunder Bay verlassen haben. Der Lake Superior weist aufgrund seiner Fläche einige klimatische Besonderheiten auf. So fungiert er als „the world’s largest air conditioner“, also als die größte Klimaanlage der Welt. Da er im Sommer die umliegende Gegend abkühlt, haben es arktische Pflanzenarten geschafft, nach dem Ende der Eiszeit an der Küste des Sees zu überleben. So findet man z. B. den weißblühenden Urgesteins-Steinbrech (ich hoffe mal, dass das die richtige Übersetzung ist), der normalerweise erst mehrere hundert Kilometer nördlich wächst. Aufgrund der Kälte sind die Bäume rund um den See klein und verkrüppelt und wachsen nur langsam. Im Herbst wärmt der See hingegen seine Ufer und angrenzenden Wälder auf, sodass die Birken sich später als in der restlichen Provinz herbstlich färben und die Blätter fallen lassen. Auch Blaubeeren kann man bis zum frühen Oktober finden und ernten – wir sind da allerdings nicht so erfolgreich.

Für Jahrhunderte – und bis in die Gegenwart hinein – hat der Lake Superior eine große Bedeutung für die Frist Nation der Anishnabe. Früher mehr als heute hing ihr Leben hinsichtlich Nahrung, Fortbewegung und Kleidung vom Chigaaming – dem Ojibway Wort für den See – ab.  Der See stellte mit seinem Überfluss an Forellen und Whitefish eine wichtige Nahrungsquelle da, und in seinen umliegenden Wäldern sammelten die First Nations Beeren und Wurzeln und jagten Wild. Heute dient der See weniger als Nahrungsquelle, doch er hat seine große Bedeutung als Ort für Zeremonien und Spiritualität der Anishnabe behalten.

Wir unternehmen ein paar Wanderungen im Park. Es ist bereits herbstlich kühl und nass, sodass außer uns kaum Menschen da sind. Chrissi traut sich und geht bei einer Wassertemperatur von 13 Grad tatsächlich baden – hätten wir eine Dusche im Van, wäre es wahrscheinlich nicht dazu gekommen. Doch weil wegen Covid alle öffentlichen Duschen und Pools geschlossen sind, müssen wir eben Alternativen finden. Und das bedeutet: entweder draußen mit der Outdoor Dusche duschen (was ich mache, denn so kann ich zumindest vorher ein bisschen Wasser auf dem Herd erwärmen und muss nicht ganz kalt duschen) – oder eben wie Chrissi in einen arschkalten See springen. Ich ziehe meinen imaginären Hut. Wir fahren weiter. Der Provincial Park zieht sich für knapp 50 km am Highway entlang, sodass man einfach stoppen kann, wo es einem gefällt, aber im Zweifel denselben Weg zurückfahren muss, wenn man was übersehen hat. So kommt es auch, dass wir eine ganze Weile nach den historischen Piktogrammen suchen, zu denen eigentlich eine eigene Straße führt und die zu den Hauptattraktionen des Parks gehören. Wir können aber den Eingang nicht finden und sind verwirrt. Schließlich sehen wir es: Die Straße zu den Felsmalereien ist gesperrt. Ich ignoriere das Schild einfach mal und fahre die enge kurvige Straße gut 3 Minuten entlang. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, platzen wir mehr oder weniger in ein Fest der First Nations. Tippis sind aufgebaut, überall stehen Zelte und Pavillions, Lagerfeuer qualmen vor sich hin und auf einem zentralen Platz steht auf einer Wiese sogar eine Schwitzhütte. Ups, denke ich mir, das war ja jetzt nun nicht so der Plan. Mir ist es ziemlich unangenehm, dass wir da einfach so reinplatzen und ich will am liebsten gleich wieder umdrehen – zumal wir ja bewusst ignoriert hatten, dass die Straße gesperrt war. Doch Chrissi fragt die Leute, die sich herzlich wenig dafür interessieren, als wir mit Elliott angeröhrt kommen. Und ihnen ist es ebenso egal, ob wir uns die Felsmalereien anschauen. So hoppeln wir dann schließlich doch relativ schnell den steilen Pfad zur großen Felswand hinab, die direkt an der Wasserkante des Sees vertikal aufsteigt. Nur bei gutem Wetter kann man die enge Stelle zwischen Wand und Wasser überhaupt betreten. Bei Wellengang würde es nicht lange dauern, bis man im Wasser landet – und bei starken Wellen wieder aus den kalten Fluten herauszukommen, ist so eine Sache für sich. Laut den überall rumstehenden Warnschildern sei es wohl auch schon zu Todesfällen gekommen. Ob das stimmt, wissen wir nicht, auf jeden Fall bewirken die Schilder, dass wir vorsichtiger sind. Doch der See liegt an diesem Abend spiegelglatt vor uns, nicht mal ein leises Lüftchen weht. Und so können wir in aller Ruhe die Felsmalereien bestaunen, die von den First Nations vor mehr als 400 Jahren mit roter Farbe auf die Felswand gezeichnet wurden. Wir sehen Jäger, Kanus, Fische, Caribous und sogar eine Art Dinosaurier (?!) – zumindest könnten wir uns nicht erklären, welches Tier das sonst sein sollte. Es ist beeindruckend. Und als möchte die Natur nochmal eins drauflegen, taucht die untergehende Abendsonne alles in ein goldenes Licht.

Nun aber schnell zurück zum Bus, denn wir haben nicht vor, mit Elliott im Dunkeln zu fahren. Das war gleich das Erste, was uns von einem Mann an der Tankstelle in Thunder Bay eingebläut wurde: Fahrt niemals in der Dunkelheit, wenn ihr es vermeidet könnt – denn gegen ein Moose auf der Straße hat selbst ein 3-Tonnen-Van keine Chance. Das gefährliche an einer Elchbegegnung in Kanada in der Nacht ist, dass die Augen der Tiere im Scheinwerferlicht nicht reflektieren und man dadurch das Tier zu spät bemerkt, um noch rechtzeitig zu reagieren. Chrissi glaubt übrigens nicht, dass das stimmt, obwohl es uns zwei Kanadier unabhängig voneinander erzählt haben. Jedenfalls sind die Viecher so groß, dass die Überlebenschance eines solchen Unfalls sogar größer ist, wenn man mit einem kleinen Auto unterwegs ist und sozusagen unter den Beinen des Elchs durchschlippt (das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben formuliert, denn auch die kanadischen Elche sind keine 10 Meter hoch, aber ihr wisst, was ich meine).

Da ich aber denke, auf iOverlander einen richtig schönen Fleck zum Parken für die Nacht gefunden zu haben, fahren wir doch noch im Dunkeln und ich bin ziemlich angespannt. Denn gerade hier in der Gegend, wo die Städte hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Moose unseren Weg kreuzt. Und Elliotts Bremsen sind auf jeden Fall nicht so gut, als dass wir bei 80 km/h noch rechtzeitig stoppen könnten. Doch alles geht gut und wir biegen an der Pancake Bay auf einen kleinen Crown Land Spot direkt am Ufer des Sees mit einem Kiesstrand ab. Da es bereits stockdunkel ist, gestaltet es sich erstmal ein bisschen schwierig, einen Stellplatz zu finden – denn außer uns stehen da noch ein weißer Sprinter und ein weinroter Volkswagen T3. Und dann ist da noch was, hinter den Büschen, direkt am Ufer. Etwas Gewaltiges. „Jeeeesus, Chrissn – komm mal her, das musst du dir angucken! Das Ding ist riesig!“, ich winke Chrissi zu mir rüber, und weise auf das dunkelgrüne Biest hin: Ein US-Armytruck mit einem Schiffscontainer als Wohnzelle. Allein der Eingang, der über eine steile Treppe zu erreichen ist, ist höher als ich groß bin. Ich wende mich wieder Elliott zu, denn so können wir nicht stehen bleiben, mitten in der Mitte dieses kleinen Platzes. Dann kommt der Besitzer des Biests. Mike. Und er meint, dass wir uns einfach vor ihn stellen sollen, mit Elliotts Gesicht zum See. Also Premiumspot. Da sagt man natürlich nicht nein. Also parken wir und lernen dann auch gleich die Girls aus dem T3 kennen. Sie kommen aus Montreal (und wir haben leider ihre Namen vergessen). Wie schön das ist, denke ich mir, endlich mal wieder neue Leute kennenlernen. Denn das ist leider dieses Jahr dank Covid wirklich auf der Strecke geblieben. Also organisier ich uns mal fix ein Lagerfeuer und keine 15 Minuten später sitzen wir zu fünft ums Feuer. Die Guys aus dem Sprinter haben sich leider nicht nochmal gezeigt. Die Nacht ist lang und gefüllt mit Reisegeschichten, Vanlifestories und Erinnerungen. Es ist wahnsinnig schön. Am nächsten Morgen beschließen wir, nicht weiterzufahren und stattdessen das ganze Wochenende mit Mike und den Mädels zu verbringen. Wir fahren zur nächsten Tankstelle, die eine Lizenz zum Alkoholverkauf hat und decken uns mit Wein ein. Als wir zurück sind, meint Mike, dass er nicht denkt, dass die T3-Girls von ihrem Trip in den Provincial Park zurückkommen. Und er soll recht behalten. Doch Reisende soll man nicht aufhalten und es dauert nicht lang, bis neben uns ein weißer Pickup-Truck und ein graues Auto anhalten. So lernen wir Bailey und Adria kennen, zwei Mädels aus Ontario, die ebenfalls (wie gefühlt jeder) auf dem Weg in Richtung Westen sind. Wir haben wieder einen wunderbaren Abend am Lagerfeuer und die Nacht wird sogar noch ein bisschen wilder, als Elliott zum Club wird. Wir chillen in Arnold, dem grünen Army-„Van“ (es ist mehr ein Haus auf Rädern) und sind so glücklich, diese Menschen hier gefunden zu haben. Als wir uns am nächsten Morgen alle etwas zerknautscht verabschieden, hoffe ich, dass wir uns wiedersehen werden. Und das werden wir.

Von Kälbchengeburten bei -25 Grad und Sofas auf Skiern

Rückblick: Auf dem Weg in den Yukon

Wir verlassen Enderby, Ilona und die Farm am 9. März. Das Ziel: Der Yukon. Als eins von drei Territorien ist es nicht selbstverwaltet wie die restlichen zehn Provinzen Kanadas, sondern steht unter der direkten Kontrolle der Regierung in Ottawa. Das hat unter anderem mit der äußerst dünnen Besiedlung des Yukons zu tun: 3/4 der gerade einmal 38.000 Einwohner wohnen in der Hauptstadt Whitehorse – das Endziel unserer geplanten Reise. 40 Kilometer außerhalb von Whitehorse haben wir ein neues Workaway auf einer Farm gefunden – harte körperliche Arbeit, Solarstrom und kein fließendes Wasser bei zweistelligen Minusgraden. Naja, die Erfahrung ist es wert – und es ist ja auch nur für zwei Wochen. Während unseres ersten Workaways haben wir gemerkt, wie viel schöner es ist, für längere Zeit an einem Ort zu sein, als alle paar Tage „weiterzuhetzen“. Nicht nur ab und an den Bus gegen ein warmes Haus und den Luxus einer Dusche (gerade im kanadischen Winter) einzutauschen, sondern die Menschen richtig kennenzulernen. Unser Englisch hat sich in den sechs Wochen bei Ilona ziemlich verbessert und Dinge wie Alpakas die Zehennägel zu schneiden – hätten wir sonst wohl nicht erlebt. Dennoch freuen wir uns auf die Reise in den Yukon, denn es ist Zeit, weiterzuziehen – und mit ein wenig Glück Nordlichter zu sehen.

So starten wir mit milden Temperaturen und Sonnenschein in Richtung Norden. Diese Frühlingsboten werden wir schneller hinter uns lassen, als uns lieb ist. Wir planen für die 2.500 km lange Strecke etwa drei Wochen ein. Genug Zeit zum Anhalten, Entdecken, Längerbleiben. Wir haben uns nicht fest mit den Hosts im Yukon verabredet, wollen keinen Zeitstress – vor allem nicht, da wir in einem 30 Jahre alten Van unterwegs sind. Unser Weg führt uns in unseren ersten richtigen Nationalpark, für den wir noch schnell für 150 CAD einen Parkpass bestellen. Ohne darf man nämlich in keinen der 47 kanadischen Nationalparks (dass das im Winter absolut niemanden interessiert, wussten wir da noch nicht). Wir verbringen die erste Nacht auf dem verschneiten Rogers Pass im Glacier National Park. Hier stehen wir zusammen mit einigen hartgesottenen Campern, die in den Bergen Ski fahren. Wir ignorieren das No Overnight Parking-Schild und quatschen ein bisschen mit den Leuten vor Ort. Schnell haben wir alle möglichen Tipps zu Lokalitäten und Orten, die wir unbedingt auf unserer Reise in den Yukon besuchen sollen. Ich versuche mir die Empfehlungen zu merken – und vergesse alles. Nach einem Kaffee und dem Besuch im Visitor Center, bei dem wir noch etwas über die heimische Tierwelt (Bären, Luchse, Mountain Goats, Cougars) und die heimische Lawinenwelt (eigentlich durchgängige Gefahr) lernen, machen wir uns auf in Richtung Jasper.

unser erster nationalpark – jasper

Jasper liegt an der Grenze zwischen British Columbia und Alberta. Von Banff aus geht die Fahrt 288 Kilometer über den verschneiten – und im Sommer vielleicht noch beeindruckenderen – Icefields Parkway in Richtung Norden. Im Sommer bevölkern Touristenmassen den Park, auch wenn diese sich dank seiner Größe mehr verlaufen als in seinem Bruder Banff. Wir planen zwei Nächte in Jasper, was rückblickend betrachtet viel zu wenig Zeit ist. Da es in Jasper wie in den meisten Nationalparks verboten ist, wild zu campen, fahren wir mit Elliott auf den einzigen Campingplatz, der in der Nebensaison geöffnet hat. Außer uns befinden sich gerade einmal fünf oder sechs andere Camper auf dem riesigen Platz. Nach einer heißen Dusche gibt es abends endlich, endlich das erste Lagerfeuer. Das habe ich mir ziemlich lange gewünscht und musste auch extra mit einem Fire-Permit erkauft werden. Es gibt Stockbrot und Rotwein. Zufrieden schlafen wir ein. Der Blick morgens aus dem Fenster ist atemberaubend: Grau mit schneebedeckten Gipfeln türmen sich die Rocky Mountains rechts von uns auf, die Spitzen in den Wolken versunken. Der Nationalpark Jasper liegt mitten in den Rockys – hier reihen sich Postkartenmotive an Postkartenmotive. Wir fahren in den kleinen gleichnamigen Ort und leihen uns Schneeschuhe aus. Schneeschuhwandern ist gar nicht mal so einfach wie wir dachten, statt normal zu laufen sehen wir aus wie zwei watschelnde Enten. Als wir es dann raus haben, geht es doch ganz gut und wir machen einen Spaziergang durch den Tiefschnee, über einen gefrorenen Bach hinein in einen kleinen Canyon. Entlang der malerischen Maligne Lake Road geht es vorbei am Medicine Lake zum Maligne Lake. Wo sich im Sommer die Touristen tummeln, haben wir das Gefühl, den kompletten Nationalpark für uns zu haben.

Couchsurfing in Prince George

Von Jasper aus geht es weiter Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist Prince George im Norden von B.C. Hier wollen wir via Couchsurfing zwei Nächte bei Britta und Dan verbringen. Aus den zwei Nächten werden vier und wir verbringen wohl eine der bisher schönsten Zeiten in Kanada. Britta kommt eigentlich aus Deutschland und ist mit ihren Eltern als Kind ausgewandert. Ihr Vater, der mit auf dem großen Grundstück lebt, freut sich sichtlich, mal wieder Deutsch zu reden. Wir fühlen uns sofort zu Hause. Wir besuchen die Tiere auf der Farm (Hühner, Schweine mit klitzekleinen Ferkeln, Rinder und Pferde) und Britta und ich können sogar eine Runde reiten. Ist bestimmt 5 Jahre her, dass ich das letzte Mal auf einem Pferd saß. Ich denke mir, naja wird wohl wie Fahrradfahren sein, das verlernt man nicht – Pustekuchen, ich hab wirklich so gut wie alles vergessen und meist fällt mir zu spät ein, was meine Beine und Fersen da tun – nämlich dann wenn Dove, die dicke weiße Pferdedame, mürrisch lostrabt oder alternativ stocksteif stehen bleibt und einfach umdreht, um zurück in den warmen Stall zu laufen. Zugegeben, verübeln kann man es ihr nicht – denn wir erleben mit -25 Grad in Prince George die bisher kältesten Tage und Nächte. Umso dankbarer sind wir, diese nicht in Elliott, sondern einem warmen Bett verbringen zu können. Am nächsten Morgen macht eine Kälbchengeburt das Landleben-Erlebnis unvergessen. Der schwarzen, flauschigen Kuh geht es nicht gut und Britta und Dan müssen sie bei der Geburt unterstützen. Wir ziehen uns hinter einen großen Heuballen zurück, um die gestresste Kuh nicht weiter zu stören. Nach einigen Minuten lauten Muhens auf Seiten des Tieres und angestrengten und gleichzeitig vorsichtigen Ziehens auf Seiten der Menschen, ist es geschafft: Ein kleines schmieriges und zitterndes Kälbchen erblickt das Licht der Welt und muss erstmal lange von seiner Mutter trockengeschleckt werden, bevor es auf dünnen Beinchen aufsteht und das erste Mal trinkt. Die Situation ist so berührend, dass mir hinter meinem Heuballen die Tränen kommen. Schnell versuche ich, sie wegzublinzeln. Will mich hier jetzt schließlich auch nicht als Stadtkind outen. Nachmittags erleben wir, wie Kanadier mit gefühlten 10 Monaten Winter und 2 Monaten Sommer wirklich umgehen: Wir binden ein altes Sofa auf Skiern an ein Quad, und heizen damit über die schneebeckten Wiesen. Ich weiß nicht, was mir mehr die Tränen ins Gesicht treibt: Der beißende, eiskalte Wind oder die nicht enden wollenden Lachanfälle. Wir essen das größte Eis unseres Lebens bei -10 Grad und machen mit den Hunden lange Spaziergänge. Abends versuchen wir Dan für vegetarisches Essen zu begeistern und schauen Jagd–TV Shows (the real Canadian Life halt). So geht unsere Zeit in Prince George zu Ende und wir fahren mit dem Versprechen, uns möglichst im Sommer im Okanagan Valley wiederzutreffen. Ich bin betrübt, als wir den Hof verlassen und mit Elliott über die vereiste Zufahrt schlittern – denn in Dan und Britta haben wir die ersten richtigen Freunde in Kanada gefunden.

Die nächsten Tage führen uns auf dem Highway 97 durch unschöne Städte, aber umso schönere Natur. Nadelwälder so weit das Auge reicht, schneebedeckte Wiesen, gefrorene Flüsse. Obwohl die meisten Tiere Winterruhe halten, begegnen uns zumindest Rehe und wir sehen sogar Wölfe. Auf Empfehlung von Dan und Britta fahren wir nach Tumbler Ridge, um zu einem Wasserfall zu wandern. Wir landen am Ende bei einem ganz anderen und schaffen es nur mühsam mit Schneeketten zum Ausgangspunkt der Wanderung. Der tatsächliche Wanderparkplatz ist verschneit, die Zugangsstraße nicht geräumt. Wir suchen uns eine halbwegs geräumte Stelle zum Übernachten und sind natürlich die einzigen. Am nächsten Tag brechen wir am späten Morgen zur Wanderung auf, die sich als eine ziemliche Tortour herausstellen soll. Im Sommer sicherlich ein schöner Tagesausflug mit vielen Haltepunkten und Lookarounds, ist die Strecke im Winter einfach nur pain in the ass: Die steilen Pfade sind verschneit und vereist, ich bewege mich abwechselnd auf Knien im Vierfüßlergang oder rutschend auf meinem Hintern fort. Wir kommen nur langsam voran und immer wieder habe ich tierische Angst auf bereits aus der Winterruhe aufgewachte Bären oder Elche zu treffen, wenn es irgendwo in den Bäumen knackt. Bärenspray haben wir natürlich wie immer keins dabei. Nach den ersten 3 Stunden gibt es zumindest ein Belohnungsbier am Fluss. Als wir nach 4 Stunden endlich an dem wirklich beeindruckenden zugefrorenen Wasserfall ankommen, bin ich fix und fertig. Ein paar schnelle Fotos und dann müssen wir auch schon wieder zurück – denn es dunkelt bereits und die teilweise sehr schmalen, vereisten Pfade mit den nach links und rechts steil abfallenden Abhängen wollen wir wirklich nicht im Dunkeln laufen. Wir schaffen es nach 3 Stunden mit Nachteinbruch zurück zum Van. Stolz und völlig fertig reicht es noch für Tee und Abendbrot, bevor wir ausgehen.

Ein gefrorener See mit duzenden Häuschen zum Eisfischen, viele haben einen Kamin eingebaut
ein engel auf dem Highway

Weiter geht es nach Dawson Creek. Internet- bzw. überhaupt Telefonempfang gibt es auf der Strecke fast nie. So bekommen wir erst spät mit, was wirklich während Reit- und Quadausflügen und Mörderwanderungen in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt geschieht. Bei Dawson Creek haben wir schließlich unsere erste Autopanne. Während auf dem Highway die Motorlampe aufleuchtet und ich mich noch kurz wundere, wie der nasse Kies unter Elliott so dermaßen aufstauben kann, schreit mich Chrissi vom Beifahrersitz schon an, sofort anzuhalten und den Motor auszumachen. Aus der Motorhaube quillt im gleichen Moment dermaßen viel weißer Rauch, dass auch mir jetzt klar wird, dass es nicht der Kies war, der da so staubt. Wir steigen schnell aus dem Bus und öffnen die Motorhaube, damit der völlig überhitze Motor abkühlen kann. Wir warten eine Stunde, bevor wir etwas Kühlflüssigkeit nachfüllen und es nochmal versuchen wollen – zumindest zurück zur Stadt, damit wir Elliott notfalls zur Werkstatt bringen können. Wir schaffen es gerade einmal 500 Meter, bevor das Auto vorne wieder in weißem Rauch aufzugehen scheint. Entnervt steigen wir aus – mit einer Fortbewegung von 500 Meter pro Stunde brauchen wir so einige Tage, um zurück nach Dawson Creek zu kommen – und dann vielleicht mit kompletten Motorschaden. Doch noch als wir so rumstehen und ratlos auf die rauchende Motorhaube starren, hält ein weißer Pick up neben uns und ein Typ steigt aus. „Hey ihr seht aus, als bräuchtet ihr Hilfe, what’s going on?“ Wir erklären ihm, dass der Bus scheinbar Kühlerflüssigkeit verliert und wir zwar schon nachgefüllt haben, jetzt aber auch keine mehr hätten. Und dann kommt es zu einer etwas bizarren Situation: Der Typ holt einfach 3 Kanister mit á 15 Litern Kühlflüssigkeit aus seinem Pick up und füllt die in Elliott. Der immer noch heiße Bus zischt und spuckt wie ein Vulkan und wir fragen uns, wie es sein kann, dass so viel Coolant rein passt, wo wir selbst immer nur ein paar hundert Milliliter nachgefüllt haben. Dann passiert es: mit einen Plopp laufen 20 Liter Kühlflüssigkeit im Strahl unten aus Elliott wieder raus, als wäre sie inkontinent. Jesus, da haben wir das Problem. Doch eigentlich ist es gar keins, denn schon liegt der Kanadier mit einem Hammer mitten auf dem Highway unter unserem Bus und hämmert (was auch immer, ich habe absolut keine Ahnung) irgendwas wieder fest, um das Auslaufen der Kühlflüssigkeit zu stoppen. Es funktioniert, sodass wir zumindest die 10 Kilometer zurück in die Stadt schaffen können. Noch ein bisschen neue Kühlflüssigkeit und dann grinst uns der Typ an und verabschiedet sich. Wir wollen ihm zumindest die 3 Kanister nicht gerade billige Kühlflüssigkeit bezahlen – doch er lehnt ab. Als er ins Auto steigt, sind wir baff – da haben wir wohl wirklich so etwas wie einen Engel getroffen. Und wir sind uns sicher: In Deutschland hätten wir dafür weitaus größeres Glück gebraucht.

Eine Entscheidung

Während Elliott in der Werkstadt repariert wird, beschäftigen wir uns das erste Mal ausgiebig mit der Corona-Situation. Uns wird angesichts der Geschichten aus Italien und Spanien ganz anders. Nicht nur Deutschland befindet sich im Lockdown, auch in Kanada macht nach und nach immer mehr zu. Auch wenn die Fallzahlen zu dieser Zeit gerade einmal 1/10 derer in Deutschland betragen, schließen Recreation Center, Campingplätze, Geschäfte und schließlich auch National- und Provincial Parks. Ich höre, dass die Bewohner des Yukons keine Reisenden mehr haben wollen. Zwar ist bisher nur die Grenze in die Nordwest-Territorien geschlossen, doch es scheint so, als würde auch die in den Yukon bald nachfolgen. Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Wir sind immer noch 1500 km von Whitehorse entfernt. Selbst wenn wir durchballern, brauchen wir dafür mindestens 9 Tage – wer weiß, ob die Grenzen bis dahin noch offen sind. Außerdem will ich auf keinen Fall für Monate im Yukon feststecken, denn eigentlich haben wir so oder so nur 3 Wochen geplant, bevor es mit der Fähre durch Alaska wieder zurück auf Vancouver Island gehen soll. Ich schreibe mit den Hosts des nächsten Workaways. Bin mir unsicher, denn ich möchte selbst auf keinen Fall eine Gefahr für andere darstellen – und ganz besonders nicht im ländlichen Yukon, in dem es kaum ausreichende medizinische Krankenversorgung gibt. Wir diskutieren, streiten. Mir geht der Arsch auf Grundeis, überlege sogar nach Hause fliegen. Dazu noch eine Nachricht aus Deutschland, die mir die Heimweh-Tränen in die Augen treibt. Wir beschließen, für einige Nächte in ein Motel zu ziehen. Ich hänge ununterbrochen am Handy, lese so viele Nachrichten, bis es mir schlecht geht. Ich lese auf der Webseite der Fähre durch die Alaska Inside Passage, dass alle Reisenden während der Fahrt im Auto unter Deck bleiben müssen und nur ausnahmsweise für die Toilette aussteigen dürfen. Also nichts mit Whale Watching. Wir diskutieren, ich versuche Chrissi davon zu überzeugen, dass wir unter diesen Umständen auch keine 600 CAD für die Fährfahrt zahlen sollten. Am Ende einigen wir uns darauf, die Fahrt zu canceln, was glücklicherweise auch funktioniert. Die Tage im Motel sind nicht schön. Alles steht in den Sternen: Wie soll es weitergehen? Umdrehen? Weiterfahren? Nach Hause fliegen? Bis auf weiterfahren stehen bei mir alle Optionen offen. Chrissi will am liebsten weiter in den Yukon, kann sich nicht vom Ende seiner Pläne verabschieden. Es ist anstrengend. Ich versuche, von Whitehorse einen Flug nach Deutschland zu buchen. Kann man vergessen. Am Ende entscheiden wir uns für einen Kompromiss: Wir drehen um. Buchen uns ein airbnb in Kelowna und warten ab, wie sich die Situation entwickelt. Wir packen die Sachen, tanken Elliott voll und fahren schwermütig zurück, 1000 Kilometer Richtung Süden. Es ist die richtige Entscheidung.

Vancouver Island in 3 Wochen

Genau 21 Tage haben wir im Januar auf Vancouver Island verbracht – der 450 Kilometer langen Insel vor Vancouver. Die Insel ist die größte an der amerikanischen Westküste und vereint so ungefähr alles, was man als Reisende*r in Kanada sucht: Berge mit schneebedeckten Gipfeln im Landesinneren, Regenwälder mit über und über bemoosten Nadelbäumen und an der Pazifikküste wechseln sich Steilklippen mit Sandstränden ab.

Fähre von Vancouver nach Vancouver Island

Man kann von verschiedenen Startpunkten aus nach Vancouver Island mit der Fähre übersetzen. Da wir Silvester bei Freunden in Surrey verbrachten, entschieden wir uns, ab Vancouver Tsawwassen überzusetzen. Die Überfahrt kostete für uns und Elliott als oversize vehicle circa 90 CAD, also knapp 62 Euro. Dafür bekommt man – wenn das Wetter mitspielt – eine wirklich schöne anderthalb-stündige Fährfahrt entlang der an Vancouver Island angrenzenden Southern Gulf Islands, vorbei an vom Wind in irrwitzige Formen gekrümmten Schwarzfichten, kleinen Stränden und protzigen Villen in purer Idylle. In der Walsaison von Mai bis Oktober kann man neben Seelöwen auch Orcas und Grauwale beobachten – wir haben leider bis auf ein paar Möwen keine Tiere gesehen.

Südöstliche Insel – Sidney, Brentwood Bay & Sooke

Die erste Woche verbrachten wir im südöstlichen Teil der Insel. Auch Vancouver Island ist von den verregneten (aber dafür milden) Wintern geprägt, die wir schon aus Vancouver kannten. Um uns nicht ständig vom Wetter unsere Pläne durchkreuzen zu lassen, rechneten wir eigentlich jeden Tag damit, dass es regnete. So verbrachten wir viel Zeit in Cafés und arbeiteten bei Unmengen an Kaffee ein wenig. Während einer der erste Nächte mit Stellplatz an einem See trafen wir auf einen anderen Vanreisenden, der uns ein paar Stellplätze auf Vancouver Island empfahl. Denn auch hier auf der Insel gibt es eine zum Teil äußerst strikte „no overnight“ policy und wer nicht jede Nacht auf einem Walmart Parkplatz verbringen will oder keine Lust hat, dass ein Officer der RCMP nachts ans Fenster klopft, tut ganz gut mit ein paar Stellplatz-Tipps von Locals. So standen wir mit Elliott die nächsten zwei Nächte mitten im borealen Regenwald und verbrachten die Tage mit Wandern, wobei sich nach langer Zeit sogar mal wieder die Sonne zeigte. Auch ein Ausflug in die ländliche Gegend Brentwood Bay ist empfehlenswert. Hier reihen sich schöne Häuser aneinander und jeder hat eine kleine Minifarm mit wenigstens ein paar Hühnern. Wir haben uns danach etwas geärgert, dass wir keine von den überall feilgebotenen frischen Farm-Eiern mitgenommen haben.

In Sooke an der ziemlich einsamen südlichen Spitze von Vancouver Island besuchten wir den Sooke Potholes Provincial Park. Durch den Park fließen mehrere Bäche, die um diese Jahreszeit nicht gerade wenig Wasser führten. Im Sommer ist das dort ein wunderschöner Ort zum baden – auch wenn die Bäche sicher richtig kalt sind. Eigentlich hatten wir vor, direkt im Park zu übernachten – natürlich unerlaubt. Ich hielt das zwar für keine gute Idee, gab aber nach – und dachte mir meinen Teil, als abends ein entnervter Ranger mit Taschenlampe an unsere Tür pochte und uns – nachdem wir einen Anschiss einkassiert hatten – aus dem Park herauseskortieren musste. Zum Glück durften wir direkt vor dem Eingang übernachten, sodass wir am nächsten Morgen recht zeitig wieder reinfahren konnten. Wir wanderten auf einem alten Rail Trail, der uns zu einer Goldgräber-Geisterstadt führen sollte. Doch als wir nach 8 Kilometern am Ziel ankamen, war von einer alten verlassenen Stadt keine Spur, nicht mal das Fundament oder Ruinen ließen sich finden. Das mag natürlich daran liegen, dass die Kanadier schon immer vorzugsweise aus Holz bauten und das nach 100 Jahren verwittert ist (by the way: wie irre ist das eigentlich, dass die Städte hier zum Teil gerade einmal 100 Jahre alt sind?). Wir waren zugegebenermaßen etwas enttäuscht, denn das einzige, was sich von der vermeintlichen Geisterstadt zeigte, war eine Art alter Bagger, mit dem vielleicht zu Goldgräberzeiten Steine und Kies aus dem Flussbett gebaggert wurden, in der Hoffnung, im Matsch und Gestein Gold zu finden. Zugleich sah der Bagger aber nicht nach 1913 aus, sondern eher nach 1960. So richtig konnten wir es nicht rausbekommen und wir zogen, nachdem wir noch auf ein paar alten Baumstämmen rumkletterten, wieder ab.

On the road again to Nanaimo

Nanaimo ist neben Victoria die zweitgrößte Stadt auf Vancouver Island. Wir sind bisher noch nicht die größten Fans kanadischer Städte geworden, doch wer auf dem Weg in die südlichen Surferorte der Insel ist, fährt automatisch an Nanaimo vorbei. Da vom südöstlichen Zipfel der Insel bis nach Tofino und Ucluelet in der Mitte keine Straße führt, muss man einmal die ganze Insel durchqueren, um bei Nanaimo auf dem Highway 4 zu landen, der wieder Richtung Süden bzw. Südwesten führt. Zudem hatten wir neue LED-Leuchten und Schneeketten für Elliott bestellt, die wir in Nanaimo abholen mussten. Schon die Hinfahrt nach Nanaimo war aufregend, denn obwohl die Durchschnittstemperatur auf Vancouver Island im Winter 8 Grad Celsius beträgt, wurden wir vom Schnee überrascht – und nicht gerade von wenig. Die Schneeketten lagen ja aber leider noch in einem Post Office an unserem Zielort. Also ohne weiter. Dieses Mal war die Fahrt im Schnee glücklicherweise erträglich und auch wenn wir etwas mit Elliott gerutscht sind, hatte ich nicht solche Panik wie bei der Fahrt über die Columbia Mountains zu Weihnachten – das lag aber wohl erstens daran, dass die Berge auf Vancouver Island nicht annähernd zu hoch sind und sich der kleine Highway die meiste Zeit durch Täler schlängelte und zweitens weil ich selbst fuhr. Sitze ich nämlich am Steuer, habe ich das Gefühl, die Kontrolle über die Situation in meiner Hand zu haben und bin dadurch viel ruhiger, wenn die Situation um mich herum droht, brenzlig zu werden. Dafür hatte Christopher aber so einiges an Herzrasen..

In Nanaimo angekommen waren wir deshalb auch beide ziemlich fertig und wollte nur noch einen Stellplatz für die Nacht finden. Dunkelheit, strömender Regen und zwei Beinahe-Unfälle trugen nicht dazu bei, uns zu entspannen. Endlich hatten wir einen Platz gefunden – zwar nah am Highway (die gehen grundsätzlich durch die Städte), aber dafür mit Blick auf den Pazifik. Obwohl ich den Tag am liebsten aus dem Kalender hätte streichen wollen, entschieden wir uns, die – laut Reiseführer extrem schlechte – Kneipenszene der Stadt zu erkunden und nach 2-3 Bier den Tag zu vergessen. Wir landeten namensgebend in der Nanaimo-Bar und ließen uns volllaufen. Livemusik von einer jungen Sängerin tat ihr übriges und ich wurde noch ziemlich sentimental an diesem Abend.  

Pacific Rim National Reserve & Surfervibes in Tofino

Nach zwei Tagen Nanaimo, die wir mit Kneipenbesuchen und arbeiten in der Unibibliothek verbrachten, konnten wir am dritten Tag endlich die Schneeketten abholen und die Stadt verlassen. Nochmal tanken und ab auf den Highway 4 Richtung Tofino. Von Freunden bereits in Deutschland empfohlen sind Tofino und sein kleiner Nachbarort Ucluelet das Ziel auf Vancouver Island für Surfer, Hippies und Ökotouristen. Im Sommer können sich die 2050 und 1500 Einwohner zählenden Örtchen vor Touristen kaum retten und die Preise für die Campingplätze steigen ins Astronomische (50 CAD für einen Stellplatz mit Plumpsklo). Außerhalb der Saison – das heißt im Januar so richtig richtig außerhalb der Saison – ist in den Dörfern aber nicht viel los, die Campingplätze sind dicht und aufgrund der wenigen Besucher haben auch viele Cafés und Restaurants geschlossen oder verkürzte Öffnungszeiten. Was aber im Winter das Highlight an der südlichen Küste ist, ist Stormwatching. Ab Tofino gibt es nämlich bis nach Japan keine Landmasse mehr zwischen den Küsten und durch die Winterstürme lassen sich spektakuläre Wellen erleben. Besonders gut funktioniert das an den ewig langen Stränden im Pacifik Rim National Reservate. Der Park zieht sich die komplette Küste zwischen den beiden circa 40 Kilometer entfernten Orten entlang. Man benötigt einen Parkpass, den man sich an den gelben Automaten auf den öffentlichen Parkplätzen des Parks kaufen kann. Der kostet pro Person für anderthalb Tage 10 CAD – ob ihn im Januar wirklich jemand kontrolliert, wissen wir nicht – wahrscheinlich nicht, denn wir waren fast immer die einzigen Menschen am Strand und im Nationalpark. Ich hatte gehofft, auch im Januar ein paar verrückte Surfer im Pazifik zu entdecken, denn uns sind so einige Autos mit Surfbrettern auf dem Dach entgegengekommen. Glück hatten wir keins, dafür den gesamten Strand für uns alleine – inklusive echt mächtiger Wellen! Im Park wird überall vor Tiedenhub, unexpected waves und den Stürmen gewarnt und auch wir haben erlebt, dass diese Warnungen absolut ihre Berechtigung haben. Wenn man nämlich denkt, dass die Wellen sich bei Ebbe mehr und mehr zurückziehen, kommt plötzlich schlagartig eine Welle über den Sand gepeitscht, die dir nicht nur nasse Schuhe macht, sondern auch nasse Knie. Für uns war es aber ein Heidenspaß, vor den riesigen Wellen davonzurennen. Zudem kann man beim Spaziergang über den Strand im Pacific Rim wirklich schönes Strandgut entdecken: Miesmuscheln, Treibholz in allen möglichen Größen und Formen, schöne Steine und ulkig anmutende Algen – besonders letzte hatten es uns angetan, denn sowas haben wir noch nicht gesehen.

Außer den kleinen Orten Tofino und Ucluelet gibt es an dieser Seite der Insel keine Orte, die sich mit dem Auto erreichen lassen. Weil auch in den Orten striktes Camping-Verbot herrscht, haben wir uns einige Kilometer weit entfernt in Straßennähe gestellt und wurden auch hier eines Morgens wieder mit dem für die Insel eigentlich untypischen Schnee überrascht. Obwohl die Temperaturen fielen, hatte ich dann doch Glück: mit dicken Neoprenanzügen stürzten sich eines sonnigen Nachmittags mehrere mutige Surfer ins Wasser, im Wettlauf mit den eiskalten Wellen des Pazifiks. Vancouver Island, wir kommen wieder.

 

Fazit nach einem Monat Vanlife: 5 Dinge, die ich gelernt habe

Hier kommen die 5 Dinge, die ich während unser ersten vier Wochen mit und in Elliott gelernt habe.

1. Es ist romantischer als es aussieht.

Natürlich war ich mir bewusst, dass die Instagram-Realität von #vanlife nicht so ganz der Wirklichkeit entsprechend wird – schon gar nicht der eines nasskalten, grauen, verregneten kanadischen Winters in der Nähe von Vancouver.

Dennoch habe ich mir unser neues Leben im Bus ziemlich romantisch ausgemalt: Lichterketten im Bus, idyllische Stellplätze am Ozean, lauthals Musik hören und die Spotify-Playlist rauf- und runtergrölen, Blick auf den Ozean beim Öffnen der Heckklappe, mit anderen Van-Reisenden am Lagerfeuer sitzen und frühmorgens heißen Kaffee trinken und aus beschlagenen Scheiben Wildtiere beobachten. Tja – ich muss sagen: manches hat sich bewahrheitet – das meiste aber (bis jetzt noch) nicht.

Das liegt höchstwahrscheinlich am bereits erwähnten kanadischen Winter, der uns hier jeden zweiten Tag mit Regen begrüßt. Dennoch entwickelt man nach dem ersten Monat im Bus so langsam eine feste Routine

Aufstehen, Kaffee kochen first, Frühstück zusammenschustern & im Stehen ohne Teller essen, um Geschirr zu sparen (und weil man keinen Tisch hat). Alles zusammenpacken & niet- und nagelfest befestigen, damit es beim Fahren nicht durch den Bus fliegt. Darauf hoffen, dass ein Klo in der Nähe ist – ansonsten den anderen dazu anspornen, schneller zu frühstücken & schneller zu packen.
Bei Regen: Entweder wieder hinlegen oder ab ins nächste Café/öffentliche Bibliothek, ein bisschen (am Blog) arbeiten.
Bei Sonne: in den nächsten Provincial Park fahren, spazieren oder wandern. Abends: Stellplatzsuche, Rotwein, viel zu aufwendiges Abendbrot für 1qm Küche kochen, Bücher lesen, Geschichten erzählen, schlafen.

Doch irgendwie auch ein bisschen romantisch, oder?

2. Irgendein Stellplatz ist ein Stellplatz.

Wie bereits erwähnt war ich so naiv zu glauben – danke Instagram für komplett unrealistische Erwartungen – dass wir immer und jeden Tag mit Elliott einen wunderschönen Stellplatz finden werden: am rauen Pazifik, unter hochhaushohen Tannen, zu Fuße eines Berges, mit Blick auf einen jadefarbenen See.

Dem ist nicht so. Ich würde sagen, rückblickend betrachtet haben wir die Nächte der vergangenen vier Wochen häufiger auf irgendwelchen hässlichen Walmart-, Home Depot- oder Starbucks-Parkplätzen verbracht, als in der freien Natur. Meistens mussten wir irgendwas in der Stadt erledigen, waren auf Durchreise, in einer Metropolregion sich aneinanderreihender Ortschaften oder wollten am nächsten Tag duschen oder arbeiten.

Innerhalb der Städte ist Overnight-Parking aber an unmöglich vielen Plätzen verboten – und auch unsere Karten-Apps machen die Suche oftmals nicht einfacher. Daher landen wir nicht selten abends übermüdet auf Parkplätzen großer Konsumtempel. Nicht schön. Aber immerhin gibt’s dann abends Wifi und Netflix.

3. Thank God for Recreation Center.

Die elementarste Frage, die sich stellt, wenn man im Bus lebt, ist – wie kann es anders sein – „Wo und wie kann ich duschen?“ Diese Frage wird umso drängender, je länger die letzte Säuberung des Körpers mit Frischwasser zurückliegt und auch der Partner sich bereits von einem wegdreht. Im Sommer könnte biologisch abbaubares Duschbad und ein See oder eine Campingdusche Abhilfe schaffen. Diese Aussicht erscheint uns allerdings bei Minusgraden wenig verlockend. 

Da die Haare aber nicht dauerhaft vor Fett von alleine stehen sollen & ich im Gammellook abends auch nicht unbedingt die Pub-Kultur British Columbias erkunden möchte, müssen Alternativen her:

Unsere erste Idee war die scheinbar obligatorische Mitgliedschaft im Fitnessstudio – natürlich ohne die Sportgeräte jemals nur zu berühren. Die ist in Kanada aber nicht gerade billig, vor allem weil man eine Kette finden muss, die möglichst großflächig im ganzen Land vertreten ist. Zur Zeit haben wir Gott sei Dank eine andere – und bessere – Möglichkeit gefunden. In British Columbia gibt es in beinahe jeder Stadt Recreation oder Aquatic Center. Diese öffentlichen Freizeitzentren haben in der Regel ein Schwimmbad mit Hot Tub, meist ein Dampfbad und manchmal sogar eine Sauna (ein kleines Fitnessstudio ist oft auch mit angeschlossen). Für alles zahlt einen einmaligen Eintritt von 5 bis 7 CAD, also um die 3 bis 5 Euro. Wir haben sogar schonmal nur 2 CAD bezahlt und fragen häufig auch nur explizit nach einer Dusche, was dann nochmal sehr viel weniger kostet.

Nach einem Tag mit kalten Winterwanderungen (oder auch einfach 3 Tagen ohne duschen) ist das der Himmel auf Erden.

4. Starbucks wird dein neuer Place to be.

Ich persönlich war sehr lange Zeit kein Freund dieser (Beschreibung von Google) „kultigen Kaffee-Kette aus Seattle“. Mehr noch: Ich fand Starbucks echt bescheuert. Kaffee für 5 Euro in nem Plastikbecher mit Strohhalm? Nee danke, brauch ich nich‘.

Tja, und dann kam Kanada. In den letzten Wochen wurde Starbucks zu unserem 2. Zuhause: freies W-Lan, es ist warm, der Kaffee schmeckt wirklich gut (und im Gegensatz zu Deutschland zahlt man auch nicht 5 Euro für eine Tasse) und du kannst so lange sitzen bleiben, wie es dir gefällt, auch wenn du nur ein Getränk kaufst. 

Wenn man im Van lebt, ist die Suche nach freiem Internet eine Lebensaufgabe. Zwar haben wir uns eine kanadische Handynummer mit mobilem Datenvolumen gekauft, das ist aber a) nicht gerade günstig hier und b) haben wir es direkt mal innerhalb von 2 Wochen aufgebraucht. Für Recherchen nach Jobangeboten, Kontakt nach Hause, dem Blog und nicht zuletzt unserer Arbeit brauchen wir aber Internet. Daher verbringen wir zur Zeit wirklich viel Zeit in der Caféhauskette – gut, dass es selbst in einer Stadt mit rund 100.000 Einwohnern mindestens 15 Läden gibt.

Das einzige, was mir weiterhin missfällt: der Laden scheint überhaupt keine wiederverwendbaren Kaffeetassen zu haben? Oder weshalb bekommt man echt jedes Getränk in Papp- oder Plastikbechern?

5. Geh. Abends. Nochmal. Aufs. Klo.

Die drängendste Frage noch bevor „Wo kann ich duschen?“ ist: „Wo zum Teufel ist das nächste Klo?“. Auch diese Frage drängt sich einem wahrscheinlich nicht so dermaßen rabiat auf, wenn man mit seinem Bus die meiste Zeit in der Wildnis unterwegs ist und einfach hinter die nächste Hecke verschwinden kann. Da wir aber die vergangenen Wochen und Nächte aufgrund der Witterungsverhältnisse, unseren Tagesplänen und Elliotts Unzuverlässigkeit zum großen Teil in Städten verbracht haben, kann sich das Ganze schon schwieriger gestalten – vor allem dann, wenn man morgens mit voller Blase auf einem vollen Parkplatz mitten in der Stadt aufwacht

Natürlich ist der nächste Laden mit Toilette hier nie weit, denn die Kettenläden reihen sich wie am Schnürchen aneinander. Trotzdem ist es schön, zumindest noch einen Kaffee trinken zu können, anstatt am helllichten Tag im Schlafanzug mit Zahnpastaflecken und von Schlaf verkrusteten Augen in den nächsten Walmart zu laufen. Daher gilt: Unbedingt am Abend davor nochmal aufs Klo.