Kanada & Cannabis

Der ein oder andere von euch weiß es wahrscheinlich schon: in Kanada ist es seit Oktober 2018 völlig legal zu kiffen – vorausgesetzt man ist mindestens 19 Jahre alt (in manchen Provinzen ist es auch schon ab 18 erlaubt). Die grünen Blüten kann man entweder in staatlich lizenzierten Abgabestellen erhalten oder man zieht sich die berauschenden Pflänzchen einfach selbst – zu Hause in der Growbox oder im eigenen Garten. Bis zu vier Pflanzen pro Haushalt sind erlaubt und man darf bis zu 30 Gramm der markant duftenden Blüten mit sich führen.

Warum wurde Cannabis in Kanada legalisiert?

Es gibt reichlich Gründe, weshalb Kanada als zweites Land weltweit (nach Uruguay in 2013!) den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis legalisiert hat. Zum einen soll durch die Legalisierung der Schwarzmarkt verdrängt werden. Der Gewinn, den der Verkauf der Pflanzen abwirft, soll nicht länger in die Kassen von kriminellen Banden mit mafiösen Strukturen sondern stattdessen in die Staatskassen gespült werden. Zum anderen spart der Staat enorme Ressourcen ein, die er sonst für die Verfolgung und Überwachung der Kiffer sowie für die Vollstreckung von Strafverfahren aufwenden müsste. Die Cannabis-Legalisierung stellt für den Staatshaushalt also eine doppelte Gewinnmöglichkeit dar und die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass es funktioniert. Bereits jetzt – nicht einmal zwei Jahre nach der Legalisierung – ist der Umsatz auf dem legalen Markt höher als der auf dem Schwarzmarkt. Die dabei entstandenen Steuereinnahmen konnten beispielsweise erfolgreich für den Bau neuer Schulen eingesetzt werden. Und die Konsumenten müssen keine Angst mehr haben von der Polizei verfolgt zu werden.


Ein weiterer sehr bedeutender Grund für die Legalisierung liegt vor allem im Verbraucher- und Jugendschutz. Kinder und Jugendliche können auf einem legalen Markt besser geschützt werden, weil die offiziellen Cannabis-Fachgeschäfte sich an die Altersbeschränkung halten müssen, da ihnen sonst die Verkaufs-Lizenz entzogen würde. Außerdem wird der Verkauf an Minderjährige weiterhin strafrechtlich verfolgt. (Aktuelle Zahlen zeigen zudem, dass der Cannabiskonsum bei den Jugendlichen in Kanada auch nach der Legalisierung nicht angestiegen ist.) Auch die Verbraucher werden vor dem Konsum gefährlicher Streckmittel, Pestizide oder Düngemittel geschützt, da Anbau, Ernte und Vertrieb der Pflanzen staatlich überwacht wird. Zudem werden die Konsumenten auf einem legalen Markt viel besser über den Wirkstoffgehalt ihrer Blüten informiert, wodurch ihnen negative Erfahrungen durch zu hohe Dosierungen erspart bleiben können. Um das zu verstehen, muss man sich etwas mit den verschiedenen Wirkstoffen im Cannabis auskennen. Wen das interessiert – hier kleiner Exkurs.

Die zwei wichtigsten Wirkstoffe im Cannabis

Zu aller erst muss gesagt werden, dass es im Cannabis viele verschiedene Wirkstoffe -Cannabinoide genannt – gibt, von denen wegen der Prohibition nicht wirklich viel bekannt ist. (Ja ein Verbot erschwert eben auch die Erforschung von potentiell wertvollen medizinischen Stoffen!) Aber einiges weiß man eben doch. Die zwei wichtigsten Cannabinoide heißen CBD und THC.

Tetrahydrocannabinol – kurz THC ist der Wirkstoff, der hauptsächlich für das Rauscherlebnis verantwortlich ist. Aus diesem Grund wurden von den bereits genannten kriminellen Banden über die Jahre hinweg Pflanzen mit einem immer höheren THC-Anteil gezüchtet. So konnte man auf den illegalen Anbauflächen immer mehr THC anbauen ohne die Flächen dabei vergrößern zu müssen. Gewinnmaximierung eben. Problematisch daran ist, dass THC auch im Verdacht steht psychotische Störungen auszulösen. So kann der Konsum von hochdosiertem Cannabis auch schnell zu einem paranoiden Trip führen. Soziale Angstzustände und Depressionen sind bekannte Nebenwirkungen.

Hier kommt der zweite wichtige Wirkstoff – das CBD (Cannabidiol) – ins Spiel. Dieser fungiert nämlich als Gegenspieler zum THC. Er wirkt angstlösend, beruhigend, entspannend und im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv – also auch nicht berauschend. Bei der Züchtung ihrer High-Performance-Pflanzen haben die Kriminellen aber natürlich nicht auf ein ausgewogenes Verhältnis von CBD und THC geachtet. Ihnen ging es nur um die psychoaktive Komponente in den Pflanzen und so wurde der THC-Anteil in den Pflanzen immer höher, der CBD-Anteil immer geringer und der Konsum somit immer gefährlicher. Durch die Legalisierung wird dieser Entwicklung entgegengewirkt und die Konsumenten können mittlerweile sogar Blüten mit verschwindend geringen THC-Anteilen erhalten. Beim Konsum dieser Blüten wird eben kein Rausch ausgelöst – stattdessen ist die Wirkung eher mit der eines Entspannungstees zu vergleichen.

Beide Wirkstoffe werden übrigens bereits seit längerem recht erfolgreich in der Medizin eingesetzt. Während THC aufgrund seiner schmerzlindernden Wirkung vor allem für Schmerzpatienten verschrieben wird, kommt die angstlösende Wirkung von CBD vor allem den psychisch Erkrankten zu Gute. Ob es weitere Einsatzgebiete gibt, wird bereits in verschiedenen medizinischen Studien untersucht und auch über die Wirkung der vielen anderen Cannabinoide und ihr Zusammenspiel mit den ebenfalls im Cannabis enthaltenen Terpenen wird zur Zeit geforscht. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass sich daraus noch weitere Einsatzgebiete für Cannabis als Medizin ergeben. Auch hier steht ein Verbot von Cannabis der dafür dringend benötigte Forschung nur im Wege.

Haben wir es probiert?

Natürlich. Da wir in Elliot nicht genug Platz für eine eigene Growbox hatten, führte uns unser Weg unweigerlich in einen der beliebtesten Cannabis Stores in Vancouver. Der Laden war von außen sehr unscheinbar und auch der Name Village Bloomery verriet (zumindest auf den ersten Blick) nicht viel über die Art des Geschäftes. Nachdem wir eingetreten waren, mussten wir als erstes unsere Ausweise zeigen, da der Zutritt Minderjährigen untersagt ist. Gleichermaßen wird übrigens auch beim Verkauf von Alkohol vorgegangen, der genauso nur in speziellen Geschäften erhältlich ist (zumindest im Westen des Landes). Jeder und wirklich jeder, der jünger aussieht als 80 muss erstmal seinen Ausweis vorzeigen und erst dann darf er sich umsehen. So haben wir uns dann auch erstmal im Laden umgesehen und waren etwas verdutzt, denn von Cannabis war nichts zu sehen. Optisch glich das Geschäft eher einer kleinen Boutique für Kosmetik oder Parfüme. Alles war sehr schlicht und unscheinbar. Die Waren sind nicht sichtbar hinter verschlossenen Türen gelagert und Informationen über die angebotenen Sorten erhält man aus einer kleinen Broschüre an der Ladentheke. Dort hat uns eine junge Kanadierin über die verschiedenen Sorten und deren Wirkung informiert. Die Sorten waren nach Herkunft (Indica also indischer Hanf und Sativa also gewöhnlicher oder echter Hanf) getrennt und nach Wirkstoffgehalt (THC und CBD) sortiert aufgelistet. Da wir von der großen Auswahl etwas erschlagen waren, haben wir uns kurzerhand für je eine Sorte nach Herkunft und einen Hybriden entschieden. Die merkwürdigen Prozentangaben über die Wirkstoffanteile von CBD und THC hatten wir vorerst ignoriert. Doch nach unseren ersten Kiffsonntagen sind wir uns sicher, die Herkunft der Pflanzen spielt im Rauscherlebnis die untergeordnete Rolle – ausschlaggebend ist der Wirkstoffgehalt! Der Hybrid mit deutlich höherem CBD-Anteil löst bei uns einen viel angenehmeren Rausch aus als die anderen zwei Sorten (ok die hatten auch 0% CBD). Im Laufe unserer Reise durch Kanada ist uns das grüne Pflänzchen immer wieder mal begegnet und niemals schien jemand Probleme damit zu haben.
Auf den Highways wird mit großen Schildern für die jeweilig ortsansässigen Cannabisläden geworben und auch innerhalb der Ortschaften findet man immer wieder lustige Anspielungen auf das berauschende Grüne. Als wir während unseres ersten Workaways von unseren Nachbarn – beide längst im Ruhestand – zum Dinner eingeladen wurden, staunten wir nicht schlecht, als jeder in lockerer Runde über seine Rauscherfahrungen mit Cannabis erzählte. Zum Einschlafen und Entspannen wurde es am liebsten benutzt und nicht geraucht sondern in Form von Gummibärchen, da es sich gesünder anfühle und nicht so schmuddelig sei.

Legalisierung in Deutschland?

Trotz der 4 Millionen Cannabiskonsumenten in Deutschland gibt es noch keine Mehrheit in der Bevölkerung, die sich deutlich für eine Legalisierung ausspricht. Nichtsdestotrotz ist die Tendenz der Zahl der Befürworter eindeutig steigend und möglicherweise wird aufgrund von guter Aufklärungsarbeit bereits 2021 eine Mehrheit erreicht. Auch politisch gesehen spricht immer mehr für die Legalisierung, denn die meisten Parteien sprechen sich stark für eine Legalisierung oder zumindest die Umsetzung von Modellprojekten aus. Lediglich die CDU/CSU stellt sich dem Ganzen noch heftig entgegen, weshalb wir im aufkommenden Cannabismarkt in Europa wohl keine Führungsrolle einnehmen werden. Schade eigentlich, denn wie wir in Kanada gesehen haben, würde eine Legalisierung viele neue Arbeitsplätze schaffen. Außerdem könnte mit einer Legalisierung endlich ein effektiver Schutz für die Verbraucher erzielt werden, da leider auch hierzulande immer wieder von mit synthetischen Cannabinoiden gestreckten Blüten berichtet wird. Solche synthetischen Cannabinoide können bei Überdosierung teilweise tödlich enden! (link)

Immerhin wurde aber im Jahr 2017 das „Cannabis als Medizin“ Gesetz beschlossen, welches es Patienten ermöglicht Cannabis von ihren Ärzten auf Rezept zu erhalten und die Kosten dafür von der Krankenkasse übernehmen zu lassen.

Wenn du auch möchtest, dass Deutschland sich Kanada zum Vorbild nimmt und eine Legalisierung voranbringt, dann unterstütze doch die Arbeit des Deutschen Hanfverbandes – dieser leistet hervorragende Aufklärungsarbeit und hat beispielsweise im Jahr 2017 die erfolgreichste Petition im Bundestag abgegeben, sodass der Petitionsausschuss über die Argumente für eine Legalisierung debattieren musste. Dadurch wurde die Wichtigkeit des Themas weiter in die Öffentlichkeit gerückt.


Hier geht’s zum Hanfverband: hanfverband.de

Mehr Infos und Fakten über Cannabis erfahrt ihr auf: cannabisfakten.de

Du willst weniger oder ganz aufhören zu kiffen? quit-the-shit.net

Unterwegs auf der größten Süßwasser-Insel der Welt

Von der Pancake Bay geht’s weiter am Lake Superior entlang. Wir essen die besten Apple Fritters der Welt in einer Tankstelle am Highway. Das ist ein süßes und wie der Name schon sagt frittiertes Gepäck mit Apfelstückchen und bestäubt mit Puderzucker. Nach der Zucker-Fett-Bombe geht’s weiter nach Sault St. Marie, einer so semi schönen Stadt, aber wenigstens finden wir eine spottbillige Tankstelle in einem Reservat der First Nations. Benzin ist in Kanada aber im Vergleich zu Deutschland sowieso viel günstiger: 1 Liter kostet umgerechnet etwa 0,60 Euro-Cent. Von „The Soo“ ballern wir die knapp 350 km bis zu unserem nächsten Ziel an einem Stück, immer entlang des Trans-Canada-Highways. Zwar ist der Lake Superior in St. Sault Marie sozusagen zu Ende, aber man muss nicht traurig sein: Die Fahrt entlang der Küste ist gesichert. Nicht weit hinter St. Sault Marie beginnt nämlich bereits der Lake Huron, der ebenso wie der Lake Superior zu den Great Lakes gehört.

Auf Manitoulin Island hoffen wir, unsere liebsten Slowenen Sandra und Andrej wieder zu treffen. Die wollen ihre Workaway Gastgeber vom letzten Jahr besuchen, bevor sie Ende Oktober nach anderthalb Jahren Kanadaabenteuer wieder nach Hause fliegen. Wir schaffen den langen Weg und kommen nach 5 Stunden Fahrtzeit erschöpft vor Manitoulin Island an. Wir wollen diese Nacht nicht mehr im Dunkeln auf die Insel fahren, sondern auf der direkt davor liegenden Goat Island auf auf einem Stück Crown Land stehen. Crown Land ist in Kanada öffentliches Land, dass jeder Kanadier frei benutzen kann, z. B. zum Jagen und Campen. Nicht-Kanadier brauchen eigentlich eine Genehmigung, aber wir zählen uns mittlerweile als Kanadier, also ist uns das wurscht. Meist sind die Crown Land Spots wunderschön gelegen, an Seen oder Buchten wie der Pancake Bay am Lake Superior. Auch ist es typisch, dass man meist allein ist und die Natur und die Ruhe für sich hat, denn die Spots liegen in ländlichen Regionen und der Anfahrtsweg ist manchmal etwas beschwerlich und erst nach langen Fahrten über mit Schlaglöchern gespickte Schotterpisten zu erreichen. Wir erwarten also mal wieder einen wunderbaren, kostenlosen Stellplatz direkt am Ufer des Lake Hurons, als wir auf der kleinen Goat Island ankommen. Ich habe den Spot wie fast immer über die App iOverlander gefunden. Doch ein paar Kilometer bevor Chrissi abbiegen soll, verschwindet die Markierung auf der Karte plötzlich. Häh? Was da jetzt los? Und tatsächlich, auch nach Beenden der App und sogar einem Neustart meines Telefons ist der Spot verschwunden. Es ist dunkel, Elliotts Scheinwerfer sind nicht der Rede wert – und wir finden diesen verdammten Spot nicht. Weil wir müde sind, parken wir an einer kleinen Bootsanlegestelle und bleiben dort für die Nacht, wir können morgen immer noch nach dem Crown Land Platz Ausschau halten. Der Platz ist nicht der schönste, der Highway ist nah, aber immerhin gibt es in der Nacht kaum Verkehr und es ist vergleichsweise ruhig. Außerdem fängt es an zu regnen, was die Qualität eines Übernachtungsstellplatzes sowieso irgendwie trivial erscheinen lässt – so lange wir zumindest halbwegs gerade stehen, ist alles gut.

Am nächsten Morgen fahren wir dann über eine Schwingbrücke auf die Insel und machen den ersten Stopp bei „The Port“ – denn ich hab absoluten, unstillbaren Heißhunger auf Fish & Chips. Eigentlich versuchen wir auf die meisten tierischen Produkte zu verzichten. Aber manchmal muss man seinen Gelüsten nachgeben und so essen wir 5 Minuten nach Ladeneröffnung sozusagen zum Frühstück morgens um 11 Backfisch und fettige Pommes. Geil! Weiter geht’s auf die Insel. Wir haben nicht so den richtigen Dunst, was wir eigentlich überhaupt machen wollen und halten erstmal beim Visitor Center, um uns eine Karte und ein paar Tipps zu holen.

Manitoulin Island liegt im Lake Huron und ist die größte Süßwasserinsel der Welt. Auf der Insel selbst gibt es wiederum mehr als hundert kleinere Seen, von denen manche Inseln haben – Inseln in Seen auf einer Insel im See also :D. Auf Manitoulin leben viele Angehörige der First Nation der Anishnaabeg. Wir hoffen, ein bisschen mehr in indigene Kultur eintauchen zu können. Unser erster Stopp ist aber ein Wasserfall, die Bridal Veil Falls (warum die im Englischen im Plural sind, weiß ich nicht, gefunden haben wir jedenfalls nur einen). Der Weg ist nicht weit, obwohl die kürzeste Strecke aufgrund von Covid-Vorsichtsmaßnahmen geschlossen ist. Es sind außer uns auch noch ein paar Menschen unterwegs, aber auch hier kehrt Anfang Oktober schon ein bisschen die Winterruhe ein. Doch die Herbstfarben leuchten wunderschön, und auch der Wasserfall ist nett anzuschauen. Auf ein Bad verzichten wir aufgrund der Temperaturen jedoch (obwohl wir dringend baden müssten).

Wir düdeln mit Elliott noch ein bisschen über die Insel und stoppen am weißen Sandstrand. Restaurants und Cafés haben zu, vielleicht wegen der Nebensaison, vielleicht auch wegen Covid. Wir spazieren barfuß am Strand und lassen uns die steife Brise um die Nase wehen. Wie am Lake Superior auch, hat man am Lake Huron das Gefühl, dass man eher am Meer als an einem See ist. Wind und Wetter sprechen dafür. Da wir auf der Insel selbst nicht so wirklich wildcampen können und Großteile leider gesperrt sind (die Straßen zu den Reservaten sind aufgrund steigender Covid-19 Fallzahlen gesperrt worden), versuchen wir es nochmal mit dem Crown Land Spot direkt vor der Insel. Wir finden ihn schließlich auch, und stellen fest, dass wir an besagter Stelle schon die Nacht davor waren – aber wieder weggefahren sind, weil ein großes „No Overnight Camping“-Schild das Wildcampen untersagt. Diese Nacht entscheiden wir uns aber dafür, darauf zu pfeifen und bleiben direkt am See.

Am Ende unserer paar Tage auf Manitoulin treffen wir schließlich endlich Sandra und Andrej. Die Wiedersehensfreude ist groß, als die beiden mit ihrem kleinen silbernen Honda auf den Mc Donalds Parkplatz einbiegen (wir werden ihre Gelüste für dieses Unternehmen nie so wirklich nachvollziehen können). Wir tauschen uns über unsere letzten Monate aus, trinken einen Kaffee und dann heißt es leider auch schon wieder Abschied nehmen – doch nicht für immer, das ist klar.

Am Lake Superior entlang

Von Manitoba geht’s Anfang September endlich nach Ontario. Wir müssen ein bisschen aufs Gaspedal drücken, denn wir haben Ersatzteile für unseren Propan-Ofen aus den USA bestellt, die zurückgeschickt werden, sollten wir sie nicht bis zum 4. September in Thunder Bay abholen. Daher ist der erste Stopp in Ontario nur kurz, aber umso schöner. Kenora liegt am Lake of the Woods, der sich über die kanadischen Provinzen Manitoba und Ontario sowie den US-Staat Minnesota erstreckt. Landschaftlich erinnert uns die Gegend um Kenora an Vancouver Island, nur der Regenwald fehlt (okay und natürlich der Pazifik, ist klar). Dafür gibt es unendlich viele Seen, Buchten und felsige, mit grünen Moosen und gelblichen Flechten bedeckte Hügel, an die sich viele kleine (und große) Cottages anschließen. Viele der Einwohner Torontos haben hier in der Gegend ein Wochenendhäuschen, sodass im Sommer ziemlich viel los ist, während Kenora in den Wintermonaten in einen Tiefschlaf verfällt. Wir kommen noch vor dem Winterschlaf, so dass noch ein bisschen was los ist. Wir besuchen den wöchentlichen farmers market und machen eine schöne Wanderung entlang der schroffen Felsen der Tunnel Island.

Weiter geht’s nach Thunder Bay. Der 130.000-Einwohner-Ort liegt absolut isoliert: Von Manitobas Hauptstadt Winnipeg (wo wir übrigens zum ersten Mal Pommes mit Essig und Salz gegessen haben – und holla, das ist mal richtig gut!) sind es bis nach Thunder Bay mehr als 700km – und bis zur nächsten größeren Stadt Sault St. Marie (von Einheimischen „The Soo“ genannt) ist es nochmal ein bisschen länger. Wir werden in Thunder Bay viel länger bleiben, als ursprünglich gedacht. Ungeplante Dinge passieren, wir müssen uns neuorganisieren, arbeiten, auf Postbestellungen warten, Elliott reparieren. So ziehen 3 Wochen ins Land, bevor wir weiterfahren können. Als wir endlich wieder on the road sind, ist Elliotts Wassertank frisch gefüllt, unser Furnace funktioniert wieder (was wichtig ist, denn es geht straight auf den Oktober zu und die Temperaturen fallen bereits unter null) und wir haben viel Essen und Bier an Board. Perfekt also, um uns nach den 3 stressigen Wochen in Thunder Bay zu entspannen und aus der Großstadt zurück in die Natur zu fliehen.

Und das machen wir auch: am Highway 17 geht es immer entlang an der Küstenlinie des Lake Superiors, Berg auf und Berg ab, sodass Elliott zwischenzeitlich ganz schön schnauft. Die Aussicht auf den riesigen See, der wie der Name vermuten lässt, zu den Great Lakes gehört, ist wunderschön. Die Great Lakes liegen sowohl in Kanada als auch in den USA. Den Lake Superior teilen sich die beiden Länder. Wie uns später erzählt wird, würde Belgien ganze 3 Mal in voller Größe in den See passen und auch wenn Freunde anderer Meinung waren, ist er flächenmäßig der größte See der Welt ist. Das steht so auf Schildern im gleichnamigen Lake Superior Provincial Park (und auf Wikipedia), unserem ersten Stopp nachdem wir Thunder Bay verlassen haben. Der Lake Superior weist aufgrund seiner Fläche einige klimatische Besonderheiten auf. So fungiert er als „the world’s largest air conditioner“, also als die größte Klimaanlage der Welt. Da er im Sommer die umliegende Gegend abkühlt, haben es arktische Pflanzenarten geschafft, nach dem Ende der Eiszeit an der Küste des Sees zu überleben. So findet man z. B. den weißblühenden Urgesteins-Steinbrech (ich hoffe mal, dass das die richtige Übersetzung ist), der normalerweise erst mehrere hundert Kilometer nördlich wächst. Aufgrund der Kälte sind die Bäume rund um den See klein und verkrüppelt und wachsen nur langsam. Im Herbst wärmt der See hingegen seine Ufer und angrenzenden Wälder auf, sodass die Birken sich später als in der restlichen Provinz herbstlich färben und die Blätter fallen lassen. Auch Blaubeeren kann man bis zum frühen Oktober finden und ernten – wir sind da allerdings nicht so erfolgreich.

Für Jahrhunderte – und bis in die Gegenwart hinein – hat der Lake Superior eine große Bedeutung für die Frist Nation der Anishnabe. Früher mehr als heute hing ihr Leben hinsichtlich Nahrung, Fortbewegung und Kleidung vom Chigaaming – dem Ojibway Wort für den See – ab.  Der See stellte mit seinem Überfluss an Forellen und Whitefish eine wichtige Nahrungsquelle da, und in seinen umliegenden Wäldern sammelten die First Nations Beeren und Wurzeln und jagten Wild. Heute dient der See weniger als Nahrungsquelle, doch er hat seine große Bedeutung als Ort für Zeremonien und Spiritualität der Anishnabe behalten.

Wir unternehmen ein paar Wanderungen im Park. Es ist bereits herbstlich kühl und nass, sodass außer uns kaum Menschen da sind. Chrissi traut sich und geht bei einer Wassertemperatur von 13 Grad tatsächlich baden – hätten wir eine Dusche im Van, wäre es wahrscheinlich nicht dazu gekommen. Doch weil wegen Covid alle öffentlichen Duschen und Pools geschlossen sind, müssen wir eben Alternativen finden. Und das bedeutet: entweder draußen mit der Outdoor Dusche duschen (was ich mache, denn so kann ich zumindest vorher ein bisschen Wasser auf dem Herd erwärmen und muss nicht ganz kalt duschen) – oder eben wie Chrissi in einen arschkalten See springen. Ich ziehe meinen imaginären Hut. Wir fahren weiter. Der Provincial Park zieht sich für knapp 50 km am Highway entlang, sodass man einfach stoppen kann, wo es einem gefällt, aber im Zweifel denselben Weg zurückfahren muss, wenn man was übersehen hat. So kommt es auch, dass wir eine ganze Weile nach den historischen Piktogrammen suchen, zu denen eigentlich eine eigene Straße führt und die zu den Hauptattraktionen des Parks gehören. Wir können aber den Eingang nicht finden und sind verwirrt. Schließlich sehen wir es: Die Straße zu den Felsmalereien ist gesperrt. Ich ignoriere das Schild einfach mal und fahre die enge kurvige Straße gut 3 Minuten entlang. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, platzen wir mehr oder weniger in ein Fest der First Nations. Tippis sind aufgebaut, überall stehen Zelte und Pavillions, Lagerfeuer qualmen vor sich hin und auf einem zentralen Platz steht auf einer Wiese sogar eine Schwitzhütte. Ups, denke ich mir, das war ja jetzt nun nicht so der Plan. Mir ist es ziemlich unangenehm, dass wir da einfach so reinplatzen und ich will am liebsten gleich wieder umdrehen – zumal wir ja bewusst ignoriert hatten, dass die Straße gesperrt war. Doch Chrissi fragt die Leute, die sich herzlich wenig dafür interessieren, als wir mit Elliott angeröhrt kommen. Und ihnen ist es ebenso egal, ob wir uns die Felsmalereien anschauen. So hoppeln wir dann schließlich doch relativ schnell den steilen Pfad zur großen Felswand hinab, die direkt an der Wasserkante des Sees vertikal aufsteigt. Nur bei gutem Wetter kann man die enge Stelle zwischen Wand und Wasser überhaupt betreten. Bei Wellengang würde es nicht lange dauern, bis man im Wasser landet – und bei starken Wellen wieder aus den kalten Fluten herauszukommen, ist so eine Sache für sich. Laut den überall rumstehenden Warnschildern sei es wohl auch schon zu Todesfällen gekommen. Ob das stimmt, wissen wir nicht, auf jeden Fall bewirken die Schilder, dass wir vorsichtiger sind. Doch der See liegt an diesem Abend spiegelglatt vor uns, nicht mal ein leises Lüftchen weht. Und so können wir in aller Ruhe die Felsmalereien bestaunen, die von den First Nations vor mehr als 400 Jahren mit roter Farbe auf die Felswand gezeichnet wurden. Wir sehen Jäger, Kanus, Fische, Caribous und sogar eine Art Dinosaurier (?!) – zumindest könnten wir uns nicht erklären, welches Tier das sonst sein sollte. Es ist beeindruckend. Und als möchte die Natur nochmal eins drauflegen, taucht die untergehende Abendsonne alles in ein goldenes Licht.

Nun aber schnell zurück zum Bus, denn wir haben nicht vor, mit Elliott im Dunkeln zu fahren. Das war gleich das Erste, was uns von einem Mann an der Tankstelle in Thunder Bay eingebläut wurde: Fahrt niemals in der Dunkelheit, wenn ihr es vermeidet könnt – denn gegen ein Moose auf der Straße hat selbst ein 3-Tonnen-Van keine Chance. Das gefährliche an einer Elchbegegnung in Kanada in der Nacht ist, dass die Augen der Tiere im Scheinwerferlicht nicht reflektieren und man dadurch das Tier zu spät bemerkt, um noch rechtzeitig zu reagieren. Chrissi glaubt übrigens nicht, dass das stimmt, obwohl es uns zwei Kanadier unabhängig voneinander erzählt haben. Jedenfalls sind die Viecher so groß, dass die Überlebenschance eines solchen Unfalls sogar größer ist, wenn man mit einem kleinen Auto unterwegs ist und sozusagen unter den Beinen des Elchs durchschlippt (das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben formuliert, denn auch die kanadischen Elche sind keine 10 Meter hoch, aber ihr wisst, was ich meine).

Da ich aber denke, auf iOverlander einen richtig schönen Fleck zum Parken für die Nacht gefunden zu haben, fahren wir doch noch im Dunkeln und ich bin ziemlich angespannt. Denn gerade hier in der Gegend, wo die Städte hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Moose unseren Weg kreuzt. Und Elliotts Bremsen sind auf jeden Fall nicht so gut, als dass wir bei 80 km/h noch rechtzeitig stoppen könnten. Doch alles geht gut und wir biegen an der Pancake Bay auf einen kleinen Crown Land Spot direkt am Ufer des Sees mit einem Kiesstrand ab. Da es bereits stockdunkel ist, gestaltet es sich erstmal ein bisschen schwierig, einen Stellplatz zu finden – denn außer uns stehen da noch ein weißer Sprinter und ein weinroter Volkswagen T3. Und dann ist da noch was, hinter den Büschen, direkt am Ufer. Etwas Gewaltiges. „Jeeeesus, Chrissn – komm mal her, das musst du dir angucken! Das Ding ist riesig!“, ich winke Chrissi zu mir rüber, und weise auf das dunkelgrüne Biest hin: Ein US-Armytruck mit einem Schiffscontainer als Wohnzelle. Allein der Eingang, der über eine steile Treppe zu erreichen ist, ist höher als ich groß bin. Ich wende mich wieder Elliott zu, denn so können wir nicht stehen bleiben, mitten in der Mitte dieses kleinen Platzes. Dann kommt der Besitzer des Biests. Mike. Und er meint, dass wir uns einfach vor ihn stellen sollen, mit Elliotts Gesicht zum See. Also Premiumspot. Da sagt man natürlich nicht nein. Also parken wir und lernen dann auch gleich die Girls aus dem T3 kennen. Sie kommen aus Montreal (und wir haben leider ihre Namen vergessen). Wie schön das ist, denke ich mir, endlich mal wieder neue Leute kennenlernen. Denn das ist leider dieses Jahr dank Covid wirklich auf der Strecke geblieben. Also organisier ich uns mal fix ein Lagerfeuer und keine 15 Minuten später sitzen wir zu fünft ums Feuer. Die Guys aus dem Sprinter haben sich leider nicht nochmal gezeigt. Die Nacht ist lang und gefüllt mit Reisegeschichten, Vanlifestories und Erinnerungen. Es ist wahnsinnig schön. Am nächsten Morgen beschließen wir, nicht weiterzufahren und stattdessen das ganze Wochenende mit Mike und den Mädels zu verbringen. Wir fahren zur nächsten Tankstelle, die eine Lizenz zum Alkoholverkauf hat und decken uns mit Wein ein. Als wir zurück sind, meint Mike, dass er nicht denkt, dass die T3-Girls von ihrem Trip in den Provincial Park zurückkommen. Und er soll recht behalten. Doch Reisende soll man nicht aufhalten und es dauert nicht lang, bis neben uns ein weißer Pickup-Truck und ein graues Auto anhalten. So lernen wir Bailey und Adria kennen, zwei Mädels aus Ontario, die ebenfalls (wie gefühlt jeder) auf dem Weg in Richtung Westen sind. Wir haben wieder einen wunderbaren Abend am Lagerfeuer und die Nacht wird sogar noch ein bisschen wilder, als Elliott zum Club wird. Wir chillen in Arnold, dem grünen Army-„Van“ (es ist mehr ein Haus auf Rädern) und sind so glücklich, diese Menschen hier gefunden zu haben. Als wir uns am nächsten Morgen alle etwas zerknautscht verabschieden, hoffe ich, dass wir uns wiedersehen werden. Und das werden wir.

Auf nach Manitoba!

Vom südlichen Saskatchewan geht es Ende August weiter Richtung Osten nach Manitoba. Der erste Halt ist der Riding Mountain Nationalpark. Da wir einen einjährigen Parkpass für alle Nationalparks haben, kostet uns der Spaß nichts und wir versuchen, so viele Nationalparks wie nur irgendwie möglich mitzunehmen. So waren wir bisher unter anderem in den Grasslands und natürlich in den Rocky Mountains. Der Riding Mountain ist zwar ein bisschen unspektakulärer als unsere letzten Nationalparkbesuche, aber das stört uns gar nicht. Es gibt nicht so viele Trails zum Wandern, dafür jedoch viele kleine Seen, Badeplätze und Feuerstellen. Da es Ende August sogar in Kanada richtig heiß ist, hält sich unsere Lust auf lange Wanderungen sowieso in Grenzen. Schön ist auch, dass sich zur Abwechslung mal niemand darum schert, wo wir stehen und so campen wir zwei Nächte – eigentlich illegal – direkt am See im Park. Mit Picknicktisch, Feuerstelle und sogar vorgeschnittenem Feuerholz (in allen Parks und Naturschutzgebieten ist es verboten, einfach Holz aus den Wäldern zu verfeuern) haben wir unseren privaten Campingplatz – und das auch noch ganz kostenlos. 

Nach ein paar Tagen im Riding Mountain beschließen wir ziemlich spontan, noch ein kleines Workaway zu machen. Ken hatte uns auf der Workaway-Plattform angeschrieben und gefragt, ob wir vorbeikommen möchten. Zufälligerweise sind wir genau zu diesem Zeitpunkt keine Stunde entfernt – und ein solcher Zufall ist in Kanada eher ungewöhnlich. Und so fühlt es sich auch ein bisschen nach Schicksal an, als wir zu Ken und Darleen nach Sandy Beach fahren. Wir haben nicht viel Zeit, nur 4 Tage, dann müssen wir weiter in Richtung Ontario. Chrissi hatte (bereits zum zweiten Mal) Ersatzteile für unseren kleinen Gasofen im Van bestellt, die zurück in die USA geschickt werden würden, wenn wir sie nicht rechtzeitig abholten. Aber auch 4 Tage sind besser als nichts, und nach den vier Wochen bei Jacky und ihrer Familie in Saskatchewan wollen wir ehrlich gesagt auch lieber unsere Ruhe. Von workaway zu workaway fahren, wie das unsere beiden slowenischen Freunde Sandra und Andrej machen, könnten wir wohl nicht – dafür lieben wir nicht nur das Leben im Bus viel zu sehr, sondern auch unsere Privatsphäre.

But anyway, wir sind für kanadische Verhältnisse so nah dran und irgendwie möchten wir auch etwas zurückgeben, an Kanada und die Menschen, die wir hier kennenlernen durften. Und da Ken und Darleen etwas Unterstützung brauchen, um ihr Haus zu verkaufen, scheint dies eine gute Gelegenheit. Warum es zum Verkauf kommt, erfahren wir jedoch erst später – und werden ziemlich traurig.

Doch zunächst biegen wir mit Elliott einmal wieder auf ein wunderschönes Grundstück ein. Der private Zufahrtsweg ist von Birken gesäumt und zieht sich sicherlich einige Kilometer. Er mündet an zwei großen Häusern, beide weiß mit grünen Dächern. Das schönste aber ist zum einen ein riesiger, in allen Farben blühender und von Früchten nur so überquellender Garten – und ein ebenfalls nicht gerade kleiner privater (!) See, auf dem ein großer Schwarm weißer Pelikane schippert. Oh man. Wie so oft haben wir schon gedacht: Das toppt nichts mehr – doch jetzt sind wir uns sicher, dass wir das höchste der Gefühle erreicht haben. Und eins freut uns noch mehr: Darleen und Ken sind seit 40 Jahren Vegetarier und leben seit 9 Jahren vegan. Ein Paradies für uns und als wir den Garten sehen, wissen wir bereits: die nächsten vier Tagen werden ein kulinarisches Fest. Da das Essen bei Jackie nicht so richtig pralle war und häufig nur aus Fertiggerichten bestand, freuen wir uns umso mehr.

Unsere Hosts sind noch nicht da, daher werden wir von einer Freundin willkommen geheißen. Wir machen uns gleich mal nützlich, und während wir allerlei Zutaten für Salat und Nudelpfanne schnippeln, erzählt uns Shirley, dass Ken und Darleen im Krankenhaus sind, aber bald kommen. Wir schlucken und als wir fragen, was passiert sei, sagt uns Shirley, dass die beiden uns das später selbst erzählen. 

Schließlich kommen die beiden. Ken, um die 60, mit einem grauhaarigen Vokuhila und einem verschmitzten Lächeln im Gesicht und Darleen, eine sehr leise und sanfte, mehr noch zarte und zerbrechliche Frau. Sie hat Krebs. Und mehr oder weniger genau aus diesem Grund sind wir hier. Denn das Haus muss verkauft werden, damit die beiden näher zur Stadt, zum Krankenhaus und der notwendigen medizinischen Versorgung ziehen können. Ken zeigt uns das Grundstück und erzählt uns alles. Es bricht uns das Herz. Gerade einmal vor drei Jahren sind die beiden mit dem Bau ihres Traumhauses fertig geworden. Früher arbeiteten die beiden als Versicherungsmaklerin und Immobilienmakler und haben mit dem Großprojekt Traumhaus erst begonnen, als sie in Rente gegangen sind. Das Haus ist wunderschön, ebenso wie das Grundstück. Es liegt komplett abgeschieden am bereits erwähnten See, zu dem nur sie Zugang haben. Angefangen haben sie vor 8 Jahren mit dem Bau einer kleinen Cabin aus Holz, um erst einmal irgendwo wohnen zu können. Später kam ein Duschhaus hinzu, mit einer kleinen Sauna. Geheizt wird mit einem Holzofen, das ist auch bei dem großen Wohnhaus die einzige Wärmequelle. Strom gibt es ausschließlich aus Solarenergie, weshalb man die elektrischen Geräte nur bis circa 17:30 abends unbegrenzt (im Sommer) benutzen kann. Danach werden die tagsüber geladenen Batterien angezapft, ähnlich wie in Elliot nur alles eine (oder eher zwei) Nummer(n) größer. Das Warmwasser wird ebenfalls mit erneuerbaren Energien erwärmt, über den Tag hinweg mit Sonnenenergie, abends mit dem Feuer des Holzofens. Ken zeigt uns das zweite große Haus direkt neben dem Wohnhaus. Es ist eine große Werkstatt, so groß, dass man ohne Probleme ein Bott drin bauen könnte. Über der Werkstatt hat er später noch ein zweites Geschoss mit einer Wohnung gebaut, in die die beiden gezogen sind, als es in der Cabin zu eng wurde. Die kleine Wohnung hat eine große offene Küche mit Livingroom inklusive Billardtisch und zwei Schlafzimmer. Wir gehen über das Grundstück, die Zufahrtswege sind von meterhohen Bäumen gesäumt, und auf der gegenüberliegenden Seite gibt es noch einen kleinen Naturteich. Die Grundstücke rund um Ken und Darleens Haus hat die kanadische Naturschutzorganisation „Ducks unlimited“ gekauft um den Lebensraum von Enten zu schützen. Daher leben die beiden nicht nur wunderschön abgelegen am See, sondern sind auch noch umgeben von einem Naturschutzgebiet. Keine Nachbarn, keine Straße, kein Lärm. Es ist ein Paradies. Das wohl schönste ist der riesige Garten, in dem die beiden – eigentlich bis vor ihrer Krankheit hauptsächlich Darleen – so viel Obst und Gemüse anbauen, dass sie den ganzen Sommer über autark leben können und nur im Winter frische Sachen, die nicht eingefroren werden können, zukaufen müssen. Es ist herrlich: auf den Beeten wachsen Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, Kartoffeln, Spinat, Himbeeren, Goji-Beeren, Salate, Zucchini, Kürbisse, Erdbeeren, Kohlrabi und und und. Im angrenzenden Gewächshaus duftet der Basilikum und direkt an der Terrasse des großen Wohnhauses wachsen Kräuter in einem eigenen kleinen Kräutergarten. 

Das Essen ist dementsprechend saisonal und bio, denn chemische Pestizide werden nicht verwendet. Es schmeckt uns so so gut. Allein die Zucchiniernte, die wir an den ersten Tagen aus dem Garten holen, ist so groß, dass die Kücheninsel nicht breit genug ist, um alle darauf zu stapeln. Dann zeigt uns Ken nochmal in aller Ausführlichkeit und mit Stolz das eigentliche Wohnhaus: Auch hier wird alles energieneutral geheizt, der Boden besteht aus Kork und das wunderschöne Geländer zum oberen Stockwerk ist aus eigenhändig gebeizten Birkenstämmen gebaut, ein Unikat. Es steckt so viel Herzblut in diesem Haus. Neben der großen Küche und einem offenen Wohnbereich gibt es noch einen lichtdurchfluteten Saloon, indem auf einem großen Gitter Goji-Beeren in der Sonne trocknen. Es gibt mehrere Schlafzimmer und ein Büro, dessen Wand man zum Bett ausklappen kann und in dem wir schlafen. Während wir durch die 800qm schlappen, wird uns immer klarer, was wir hier eigentlich sehen: Den Lebenstraum zweier Menschen, die so viel gegeben haben, um ihrer Lebensphilosophie nach die restlichen Jahre ihres Lebens zu verbringen.

Während der vier Tage, an denen wir mit den dreien (Shirley ist vorübergehend eingezogen, um Darleen zu unterstützen) zusammenwohnen, haben wir wunderbare Gespräche, auch wenn wir Darleen nur selten sehen, viel zu erschöpft ist sie von der letzten Krebsbehandlung. Wir putzen das Haus und räumen das Grundstück auf für die potenziellen Käufer, die in einigen Tagen vorbeikommen. Wieder einmal bricht es uns das Herz, zu sehen, wie schwer es Ken fällt, ein Lächeln auf den Lippen zu behalten. Zu schwer ist die Last, dass der Lebenstraum, für den sie solange gekämpft haben, nun in andere Hände fällt. Daher ist es Ken auch sehr wichtig, dass die zukünftigen Käufer dieselbe Philosophie vertreten wie er und Darleen. Die Käufer, die schließlich am Sonntag kommen, scheinen genau das zu erfüllen – sie sind aber auch nicht die ersten, die sich das Haus anschauen. Während Ken den vieren eine mehrere stundenlange Haus- und Hofführung gibt, ziehen wir uns zurück. Am Abend, es ist zugleich der letzte für uns, bevor wir weitermüssen, sitzen wir nochmal alle zusammen am Esstisch und reden über die potenziellen Käufer. Ken hat ein gutes Gefühl, und vielleicht macht es die Traurigkeit, die alles andere überlagert, ein kleines bisschen weniger schwer. Zu wissen, dass man seinen Lebenstraum in die richtigen Hände gibt, an Leute, die ihn so weiterführen werden wie man selbst und in Ehren halten, weil sie die ganze Arbeit, die darin steckt, sehen und wertschätzen. Auch wenn die eigene Zukunft gleichzeitig so furchtbar ungewiss ist. 

Als wir uns am nächsten Tag verabschieden, haben wir beide einen dicken Kloß im Hals. Das hier ist nicht fair. Das hier sollte nicht passieren, niemanden und schon gar nicht Menschen, die versuchen, alles richtig zu machen: Ihren ökologischen Fußabdruck so unsichtbar wie möglich zu halten, vegan zu leben, für den eigenen Körper und Geist mit Meditation und Yoga zu sorgen, der Erde und den darauf lebenden Geschöpfen, egal ob Mensch oder Tier, mit Wärme, Gastfreundschaft und offenen Herzen zu begegnen. Als wir uns umarmen, kann ich mich gerade noch rechtzeitig umdrehen, damit keiner der beiden meine Tränen bemerkt. Es bricht uns beiden das Herz, diese beiden wundervollen Menschen zu verlassen. Wir sind traurig und zugleich dankbar, dass wir Ken und Darleen kennenlernen konnten und zumindest ein bisschen von all der Liebe, die uns geschenkt wurde, zurückgeben konnten. Auf dem Weg Richtung Süd-Osten hängen wir beide lange unseren Gedanken nach. 

Logbucheintrag August 2020: Wir waren in der Wüste

Ja. Ihr habt richtig gelesen. Und so wirklich glauben können wir es selbst nicht. Aber auf Anfang: Wir verlassen Jackies Farm Mitte August. Eigentlich wollten wir nur knappe drei Wochen bleiben, am Ende werden es fast vier – so schön waren unsere großen Ferien in Saskatchewan. Aber es fühlt sich auch mehr als gut an, wieder on the road zu sein. Elliott ist hübsch lackiert und von allem Rost befreit, der Kühlschrank voll, Gas- und Wassertank sind aufgefüllt und es kann endlich wieder losgehen: Auf in den Osten. Oder zumindest erstmal in den Süden, denn so schnell wollen wir Saskatchewan nicht verlassen. Auf dem Weg in den Grasslands Nationalpark habe ich auf iOverlander, der App, über die wir die meisten unserer Stellplätze finden, etwas entdeckt, dass wir unbedingt sehen wollen: Mitten in der Prärie soll es riesige Sanddünen geben. Also nichts wie hin da. Das dauert natürlich mit Elliott und unserer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 70-80 km/h etwas länger und der erste Stop ist daher erst einmal der Manitou Lake. Dieser See hat fast ein so hohes Salzgehalt wie das tote Meer. Wir sind die einzigen am Stellplatz, nur herumliegender Müll und verwaiste Schaukeln zeigen, dass auf diesem verlassenen Public Land manchmal mehr los ist. Nach einer langen Nacht, in der wir die Sterne beobachten, treffen wir am nächsten Morgen beim Müllaufsammeln aka beach cleaning ein älteres Paar, dass einen Bisonschädel im See gefunden hat. Sie erzählen uns, dass das hier eigentlich heiliges Land der First Nation ist und wir staunen nicht schlecht, als der Wert des Bisonschädels auf 300-400 Dollar geschätzt wird. Wie alt der Schädel wohl sein mag, vergessen wir jedoch leider zu fragen.

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Wir fahren weiter. Die Landschaft verändert sich nun zunehmend: Wälder und Seen werden immer weniger, ab und zu sieht man noch ein paar Bäume, aber Bild beherrschend sind die endlosen Kornfelder. Irgendwo im nirgendwo zeigt das Navi dann an, dass wir abbiegen sollen. Wir rattern eine scheinbar endlose Schotterpiste ins Nichts entlang, kreuzen ein Texas Gate und fahren durch Steppe, kaum Vegetation gedeiht hier außer Gräsern auf sandigen Böden. Und der Sand ist auch der Vorbote, denn schließlich kommen wir an, an den Great Sandhills. Und ja, man mag es kaum glauben, aber hier ist wirklich mitten im Nirgendwo in Saskatchewan eine Art Mini-Wüste – mit immerhin bis zu 8 Meter hohen Dünen. Wir klettern die Dünen hinauf, tauchen die nackten Zehen ein, lassen den feinen Sand durch unsere Finger rinnen – und sind wieder einmal maßlos erstaunt, welche Artenvielfalt dieses Land doch zu bieten hat. Noch vor ein paar Wochen waren wir in den Rocky Mountains mit ihren schneebedeckten Gipfeln. Chrissi ist sogar noch durch die Schneereste auf mehreren tausend Höhenmetern gewandert – und jetzt stehen wir Ende August mit den Füßen im Sand auf einer Düne, die eher vermuten lässt, wir wären in einem südlichen Land. 

Obwohl es eigentlich verboten ist, bleiben wir über Nacht auf dem Parkplatz stehen – zu unwahrscheinlich scheint es uns auch, dass jemand hier mitten im Nirgendwo vorbeikommen würde. Wir lassen die Fenster offen und lauschen den nächtlichen Geräuschen. Die Stille ist von Grillenzirpen erfüllt, ab und an hört man einen Kojoten heulen. Der Nachthimmel ist wieder einmal unvorstellbar schön, Milliarden von Sternen glitzern über uns und wir sehen mindestens eine langsame Sternschnuppe. Ich weiß nicht mal, was ich mir wünschen sollte – so glücklich bin ich in diesem Moment.

Vom Sunshine Village zum Mount Shark

Nach der entbehrenden Zeit in Sundre war es für mich höchste Zeit mal wieder etwas Schönes zu machen und so hatte ich eine 5-tägige Wanderung durch die kanadischen Rocky Mountains im Nationalpark Banff geplant. Normalerweise muss man einen solchen Trip Monate im Voraus planen, da die Zeltplätze im Hinterland der Nationalparks sehr limitiert sind und die meisten schnell ausgebucht sind. Doch 2020 ist alles anders – die bestehenden Reservierungen wurden während des Lockdowns gecancelt und das Buchungssystem Angang Juni neu gestartet. Ich nutzte die Chance und suchte mir eine im Netz als einzigartig angepriesene Route aus. Lediglich zwei Tage nach dem Start des Reservierungssystems wollte ich mir dann die Campingplätze dann so buchen, dass ich nicht mehr als 15 km am Tag wandern müsste. Es sollte ja entspannt werden. Doch war ich wohl leider zwei Tage zu spät dran und so musste ich nehmen was übrig geblieben war. Dennoch freute ich mich, da ich für alle vier Nächte einen halbwegs passenden Campingplatz gefunden hatte und wohl auch nicht mehr als 20 km und ca. 1000 Höhenmeter an einem Tag wandern müsste. Daher war ich auch nicht allzu sehr gestresst, als wir am Morgen des ersten Tages noch mit Elliott im Schlammloch steckengeblieben sind und uns erstmal freischaufeln mussten. Die ganze Aktion hatte eine Weile gedauert, deshalb kamen wir später an als gedacht. Vom Startpunkt aus konnte man aber eine Gondel nehmen, die einem den Großteil des Anstieges abnahm. Am Parkplatz angekommen musste ich dann aber leider feststellen, dass die Gondel wegen eines gottverdammten Virus‘ geschlossen war und ich den Anstieg doch mit reiner Muskelkraft bewältigen musste. Ich verabschiedete mich von Sophie und lief los.

Unterwegs kam mir dann eine Gruppe von Wanderern entgegen, die sich köstlich darüber amüsierten, dass ich auf dem Weg zum Howard Douglas Lake Campground war, denn dies sei der wohl größte Umweg, den man machen könnte. Wir lachten alle herzlich darüber und als ich mich wieder auf die Socken machen wollte, bekam ich von einem älteren Mann der Gruppe noch den Hinweis, dass ich mein Bärenspray doch lieber an der Hüfte statt am Rucksack tragen sollte, denn der Bär würde im Falle des Falles wohl nicht darauf warten, bis ich den Rucksack abgesetzt hätte. Da ich ungern Bärenfutter werden wollte, nahm ich seinen Rat an, bevor ich schließlich weiter zog. Nur wenige Minuten nach dieser Begegnung fand ich ein paar übel riechende Haufen Bärenkot auf dem Wanderweg – aber vom Übeltäter war weit und breit nichts zu sehen. Als ich dann jedoch noch ein paar Minuten später meine Mittagspause machte, war mir schon etwas mulmig – ich hätte ungern all mein Essen schon am ersten Tage an einen Bären abtreten wollen.

Da ich schon viel zu spät gestartet war und die Gondel nicht fuhr, kam ich natürlich auch erst sehr spät abends und total erschöpft am Campground an. Zum Glück empfingen mich drei gut gelaunte Ladies, mit denen ich noch bis zum Sonnenuntergang am Ufer des Sees saß. Wir ließen uns von der Sonne, die sich herrlich im Wasser des Sees spiegelte, wärmen und quatschen über Gott und die Welt. Das Schöne an solchen Wanderungen sind eben nicht nur die Natur und die tollen Ausblicke, es sind oft auch die Begegnungen mit anderen Wanderern, die immer sehr ausgeglichen und zufrieden wirken. Der Alltagsstress kann einem hier oben eben sehr leicht abfallen. Kurz nachdem die Sonne dann hinterm Berg verschwunden war, kroch ich schließlich als erster völlig entkräftet in mein Zelt und muss innerhalb von Sekunden eingeschlafen sein. Am nächsten Morgen war ich dann auch der letzte, der den Campground wieder verließ – dafür jedoch frisch gebadet im eiskalten Gebirgsbach.

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich solche Abenteuer immer nur sehr gut vorbereitet starte und so kam es, dass ich am zweiten Tag nicht genau wusste, wo eigentlich mein Campground angedacht war. Daher unterhielt ich mich mit anderen Wanderern darüber, welche Möglichkeiten ich hatte und war nicht besonders begeistert, als sich herausstellte, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Der erste Campground wäre schon nach ca. 10 km erreicht und ich hätte meinen Tag sehr früh beenden müssen – der zweite war jedoch knapp 30 km entfernt, was mir wiederum angesichts der vielen Höhenmeter sehr viel vor kam. Ich wollte die Wanderung ja schließlich auch genießen. Letztendlich entschied ich mich für den weiter entfernteren Campground, wobei mir klar war, dass ich erst wieder sehr spät ankommen würde. Der Weg führte mich über eine wunderschöne von schneebedeckten Bergen umrahmte Hochebene mit tausenden blühenden Wildblumen, unterwegs sah ich allerlei kleine Nagetiere wie Bergmäuse, Streifenhörnchen, Murmeltiere und Eichhörnchen. Andere Wanderer begegneten mir dagegen nur sehr selten.

Ich lief am ersten Campground vorbei, als es ca. 1 Uhr gewesen sein muss. Ich erinnere mich, dass ich noch recht fit war und es mir leicht erschien, noch weitere 20 km zu laufen. Ich wusste jedoch nicht, dass es der heißeste Tag werden sollte und mir noch viele Höhenmeter bevorstanden. Nach der Hochebene gab es nämlich einen ziemlichen Anstieg zu überwinden. Hinter dem Hochpunkt änderte sich die Landschaft völlig von sanften blumenbedeckten Wiesen zu einer rauen Karstlandschaft mit den merkwürdigsten Felsformationen auf denen vereinzelte Fichten wuchsen. Da es an dem Tag so heiß war, ging mir auf halber Strecke zum nächsten See das Wasser aus. Ich war wieder total erschöpft und musste wegen der Hitze gefühlt alle zehn Minuten eine Pause machen. Als ich kurz vor dem See noch ein letztes Mal hielt, passierte mich ein Pärchen, mit denen ich im Laufe des Tages schon mal gequatscht hatte. Ich hoffte, sie könnten mir etwas Wasser geben, doch leider hatten auch die beiden keins mehr. Bis zum See waren es aber auch nur noch 20 Minuten. Dort angekommen füllte ich als erstes mein Wasser auf und unterhielt mich dann mit den dortigen Campern. Ich war so fertig, dass ich am liebsten auch dort mein Zelt aufgeschlagen hätte, aber leider brauchte man für diesen Campground eine Reservierung und in der rauen Karstlandschaft hätte ich keinen gescheiten Platz neben den extra dafür angelegten Plätzen gefunden. Einer der Camper meinte, ich solle einfach mein Zelt auf einem der Plätze aufschlagen. Da es schon so spät war und noch so viele Plätze frei waren, ging er davon aus, dass ohnehin nicht alle Plätze gefüllt werden. Aber was, wenn kurz nach Einbruch der Dunkelheit eine Gruppe von Wanderern mit Reservierung ankommt und ich für sie Platz machen müsste? Dann müsste ich den Weg bis zum nächsten Campground in der Dunkelheit laufen. Das war mir zu heiß und ich lief schließlich weiter zum nächsten Reiter-Gruppen-Campground, der vermutlich offiziell wegen Corona geschlossen war, denn außer mir war dort niemand anzutreffen. Gut für mich, so musste ich für die Nacht wenigstens nichts bezahlen.

Am nächsten Tag wurde ich vom Geräusch der auf mein Zelt einprasselnden Hagelkörner geweckt. Der Hagel schien sich mit Regen abzuwechseln. Da ich aber von der Nacht noch durchgefroren war und meine nächste Etappe nicht sonderlich lang war, hielt sich meine Motivation aufzustehen in Grenzen. In der vergeblichen Hoffnung, es würde bald aufhören, blieb ich bis weit nach 12 Uhr im Zelt liegen, doch es half nichts. Erst als ich mich aufgerafft hatte und alles eingepackt war, wurde es schließlich besser. Ich lief los und nach nur zwei oder drei Kilometern kam ich an dem Aussichtspunkt der Kanadischen Rocky Mountains an. Der schneebedeckte Mount Assiniboine mit seinem am Fuße liegenden Lake Magog. Leute lassen sich für viel Geld mit Helikoptern dort rauf fliegen, um dieses Panorama zu genießen. Man kann sogar Lodges buchen, deren gesamte Verpflegung ebenfalls per Helikopter angeflogen wird. Von der Bank am Aussichtspunkt genoss ich das Panorama bis das Wetter wieder wechselte. Unten am Ufer waren Wanderer zu sehen. Ich konnte von weiter Ferne beobachten, wie sich die Regenwolken langsam über den Gipfel des Berges schoben und erst über dem See und dann auch über Wanderern abregneten. Erst als sie bei mir angekommen waren, zog ich schließlich weiter.

Mein nächster Campground war am Marvel Lake, in dessen näherer Umgebung dutzende anderer kleinerer Seen und Wasserfälle sind. Von dort aus kann man sehr gut kleinere Tageswanderungen unternehmen. Für mich ging es aber am nächsten Tag weiter zum Campground an den Big Springs – einem Gebirgsbach, der direkt aus dem Fels eines großen Berges entspringt. Das Wasser kommt wortwörtlich einfach aus dem Berg geflossen. Dort traf ich noch einen anderen etwas älteren Wanderer, der mir erzählte, dass er normalerweise nicht an solchen überfüllten Orten wandern geht. Da muss man sich als Mitteleuropäer schon wundern. In den 4 Tagen in denen ich unterwegs war, hatte ich vielleicht mit insgesamt zehn anderen Wanderern gesprochen und war die meiste Zeit allein. Doch in Kanada gibt es eben so viel Platz und so viele Naturparks, dass man locker zwei Wochen wandern gehen kann, ohne auch nur einen einzigen Menschen zu treffen. Normalerweise würde er nur Bären begegnen, meinte er noch, als wir uns verabschiedeten.

Am letzten Tag war das Wetter wieder prächtig und ich hatte nur um die 12 Kilometer zu gehen, weshalb ich an jeder schönen Stelle anhielt und eine ausgiebige Pause machte. Ich ging ein letztes Mal im Gebirgssee baden, um mich für Sophie, die mich abholen sollte, frisch zu machen. Nach fünf Tagen war ich auch sehr froh, als ich Elliott schon aus der Ferne sah und Sophie darin auf mich wartete. Wir blieben noch lange am Parkplatz und tauschten uns darüber aus, was wir die letzten Tage erlebt hatten.

Worst workaway ever

Gott sei Dank ist das, was jetzt kommt, schon ein paar Wochen her und wir haben mittlerweile nicht nur die Provinz gewechselt, sondern sind seit ein paar Tagen auch bei einer neuen Farm untergekommen. Trotzdem wollte ich euch folgende Geschichte nicht vorenthalten – denn sie zeigt, dass man manchmal auf Reisen (wie im Leben allgemein) mächtig ins Klo greift.


Ich biege zu schnell in die Schotterstraße ab. Elliott surft ein wenig, zu viel Kies liegt auf der Straße. Wir halten, ich mache den verabredeten Anruf bei Brigitte. Auf ihrer Farm plane ich für die nächsten drei Wochen zu bleiben. Das zweite workaway, aber dieses Mal nur ich, ein bisschen Pause für unsere in letzter Zeit etwas strapazierte Beziehung. Und vor allem: Endlich, endlich reiten und mit Pferden arbeiten. Von denen sollen sich auf der Farm, die ein Sanctuary für alle möglichen geretteten Tiere ist, wohl so einige tummeln. Ich freue mich. Keine Lust mehr nach 2 Monaten auf Bäume ausgraben. Daher hab ich beschlossen, eine Woche vor Saisonende zu kündigen und den Süden Albertas zu erkunden – am besten natürlich per Pferdes. 

Brigitte kommt uns mit einer weißen Familienkutsche entgegen. Wir reden kurz, sie scheint sehr nett, bevor sie uns zu ihrer Farm lotst. Die Schotterstraße führt uns 12 km rein in die Wildnis, weg vom Highway. Andere Farmen liegen verstreut auf dem Weg, doch der nachbarschaftliche Abstand scheint jeweils einige Kilometer zu betragen. Elliott kommt fast nicht hinterher und ich hab Mühe, das weiße Auto in der riesigen Staubwolke zu erkennen. Wir biegen auf ein traumhaftes Grundstück ab: Weite Wiesen gespickt mit bunten Tupfen aller möglicher Wildblumen, der Weg ist gesäumt von Fichten und im Hintergrund schmiegen sich die Ausläufer der Rockies als natürliche Grenzen an das Grundstück. Wie schön. Paradies. Pure Natur, kein Straßenlärm, keine anderen Menschen. Als wir am Haus ankommen, zeigt sich uns eher eine kleine Miniatur-Westernstadt. Fast ein Dutzend kleiner Hütten, Schuppen und Cabins versammelt sich auf der Wiese um einen kleinen Teich und im Mittelpunkt ist ein waschechter Saloon – wie man ihn aus einem Western kennt. Das Haus von Brigitte und ihrem Ehemann Al ist etwas separiert, mit eigenem Zaun und Garten. Daneben stehen Pferde, Lamas und Alpakas auf der Weide. Fünf Esel und ein kleines Shetlandpony grasen vor dem Saloon, der sich als Wohnzimmer und Küche für die Workawayer rausstellt und auch meine Herberge – einen winzigen Raum mit zwei Doppelstockbetten – einschließt. 

Wir sitzen im Garten, trinken Kaffee und quatschen. Es ist angenehm, mal wieder auf Deutsch zu reden, auch wenn ich nicht davon ausgegangen bin, dass wir das hier großartig tun werden. Ich wusste zwar, dass Brigitte Deutsche ist, bin aber aufgrund seines Namens davon ausgegangen, dass Al Kanadier sei. Naja, wohl nicht richtig zuvor gelesen. Mit mir zusammen leben und arbeiten zwei slowenische Traveller, die ich jedoch in der Zeit unseres Kaffeeklatsches nicht sehe. Sie werden aber auch nicht dazugebeten. Wir kriegen eine Führung über die Farm und Chrissi wird eingeladen, über Nacht zu bleiben, damit er die 300 km nach Sundre, wo er noch eine Woche Bäume ausgraben wird, nicht am selben Tag zurückfahren muss. Wir treffen Sandra und Andrej, die beiden Slowenier und verstehen uns auf Anhieb gut. Unsere Hosts ziehen sich schnell zurück und wir verbringen den Abend zu viert erzählend und Geschichten austauschend. Die beiden haben schon 13 Workaways gemacht und wahnsinnig spannende Geschichten über fast jede Provinz und beinah jedes Territory parat. Allerdings macht sich schon an diesem ersten Abend der Eindruck breit, dass sich die beiden bei Al und Brigitte nicht allzu wohl fühlen. 

Als ich Chrissi am nächsten Tag verabschiede, habe ich ein etwas flaues Gefühl. Aber die Vorfreude über meine Hauptaufgabe, für die ich auch durchaus explizit eingeladen worden bin, überwiegt – noch. Trail Riding in den Rocky Mountains, was kann es Schöneres geben? Mir fällt spontan nicht viel ein, auch wenn ich zugleich Respekt vor der Aufgabe habe, Pferde zu trainieren. Schließlich sind meine Skills nach über zehn Jahren mehr als eingestaubt. Aber das ist nichts, was sich nicht mit ein paar Übungsstunden auf dem Reitplatz wieder „entstauben“ lassen würde. Die nächsten Tage machen wir aber erstmal nichts, denn es ist Wochenende und am Wochenende wird nicht gearbeitet. Da ich reiten nicht als Arbeit verstehe, sondern gerade an diesem Ort als etwas, für das andere Menschen viel Geld zahlen würden, bin ich zu erst etwas enttäuscht. Als es dann aber wie aus Kübeln zu schütten beginnt, bin ich doch ganz froh, über die verordnete „Zwangspause“. Der Regen hört auch in den nächsten Tagen nicht auf und so verbringen wir das gesamte Wochenende zu dritt im Saloon und schauen mindestens ein dutzend Filme auf Videokassette (ja, wirklich – die stehen zu hunderten auf den Regalen). So schnell dürfte uns also nicht langweilig werden. Sollte es auch nicht, denn zu Beginn der Woche wechselt sich der Regen mit Sturm ab. Wir sollen trotz orkanartiger Böen arbeiten, aber wir sind eigentlich ganz froh über die Ablenkung nach dem VHS-Binge-Watch-Wochenende. Über die Sinnhaftigkeit der Arbeiten lässt sich jedoch streiten – oder weshalb sollte man bei Sturm Unkrautjäten oder Bäume einpflanzen? Es dauert nicht lang, und mit der nächsten Böe liegt die Schubkarre voller Unkraut über dem sauber geharkten Beet. Die kleinen Bäume müssen mit mehreren Seilen festgespannt werden, damit der Wind sie nicht aus dem Boden reißt. Klar, man könnte auch die zwei Tage abwarten, bis der Sturm abflauen soll, aber naja. Wir schütteln den Kopf über die Arbeiten, machen sie aber natürlich dennoch. Schließlich sind wir ja auch da, um zu helfen. 

Wir arbeiten 5 Stunden jeden Tag, was auch das Maximum bei einer Arbeit gegen Kost und Logie sein sollte. Diese beiden Sachen – also unsere Bezahlung sozusagen – lassen aber zu wünschen übrig. Die Cabins und die Küche sind verdreckt und es gibt nicht nur sehr billiges Essen wie Unmengen an Toast, sondern auch sehr wenig davon. Von dem vielbeschworenen und auch oft erlebten Gemeinschaftsgefühl auf Farmstays verspüren wir wenig. Zwar verbringen Sandra, Andrej und ich jede freie Minute zusammen, die Hosts sehen wir jedoch immer nur für wenige Augenblicke am Tag. Ist die Arbeit getan, sind wir unter uns. Sicherlich spielt auch Covid eine verständliche Rolle, jedoch macht sich bei uns allen nach ein paar Tagen das Gefühl breit, dass wir hier nicht so wirklich gewollt sind. Uns ist oft langweilig und wir verbringen jeden Abend vor dem Fernseher. Alternativ gibt es aber auch nicht viel zu tun. Ich frage mich, ob ich es wieder überlesen habe, oder ob sie es nicht auf ihrem Workaway-Profil geschrieben haben – jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass die Farm so Off-Grid ist. Immerhin haben sie seit vier Jahren Strom und zumindest im Haupthaus und im Duschhäuschen gibt es fließend Wasser. In unsere Küche müssen wir die 30 Liter Kanister jedoch selbst schleppen, als Toiletten gibt es nur zwei ziemlich stinkende Plumpsklos. Das stört allerdings nicht so sehr, wie das nicht vorhandene Internet – denn eigentlich wollte ich in meiner freien Zeit ein wenig für meinen deutschen Job arbeiten. Daraus wird aber nichts und so macht sich neben der Langeweile auch zunehmend ein wenig Unmut breit. Wir haben das Gefühl, dass wir ausschließlich nur zum arbeiten da sind. Auch der Umgangston ist eher harsch. Mit mir wird ausschließlich Deutsch geredet, mit den anderen beiden Englisch. Nach knapp einer Woche überlege ich das erste Mal, ob ich hier wirklich bleiben möchte. Zwar mag ich die Slowenen gerne, aber die Arbeit ist eintönig und die Pferde habe ich bis jetzt nur von Weitem auf der Koppel gesehen und außerdem verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass wir hier nicht gewollt sind. Bei unseren wenigen Gesprächen gibt Brigitte seltsame Äußerungen ab und meine Lust, mich mit ihr zu unterhalten, sinkt nach der Aussage und der scheinbar allseits beliebten Verschwörungstheorie, Bill Gates hätte Corona auf die Welt gebracht, um noch reicher zu werden, auf den Tiefpunkt. Auf der anderen Seite habe ich aber auch nette Gespräche mit ihr. Und auch das Grundstück entfaltet, als sich schließlich endlich das Wetter bessert, seinen Zauber: Umgrenzt von Wildblumenwiesen, die Rockies vor der Nase und umhüllt von einer nur durch Vogelgezwitscher oder Hundebellen unterbrochenen Ruhe, ist es wirklich ein kleines Paradies. Wir erkunden die Ranch, finden einen alten Schulbus, der an Into the Wild erinnert und sitzen in einem Tippi ohne Dach. Ein kleiner Bach schlängelt sich durch das Grundstück, an den ich mit dem Shetlandpony Teddy spazieren gehe. Und auch wenn wir uns wünschen würden, dass sich unsere Hosts mehr für uns interessieren, beschließen wir drei, das Beste aus den verbleibenden zwei Wochen zu machen – trotz der nicht besten Vibes und zum Teil wirklich ekligen Arbeiten wie Müllsortieren oder eine neue/alte Grube für das Plumpsklo zu graben, während es die ganze Zeit durchdringend nach Scheiße riecht. 

Christie, die zahme Waschbärdame auf der Farm konnte man sogar streicheln. War aber auch ein ziemliches Biest.

Doch aus unseren guten Vorsätzen wird nichts. Am nächsten Samstag kommen Brigitte und Al zum Saloon, um mit den beiden Slowenen zu reden. Auf die Frage, ob es denn ein Privatgespräch sei oder ich auch dabei sein soll, wird mir gesagt, dass es generell um den Aufenthalt auf der Farm geht. Also bleibe ich – was sich ziemlich schnell als äußerst unangenehm rausstellt. Sandra und Andrej wird gesagt, dass ihr Farmaufenthalt nicht verlängert wird. Weder sie noch ich verstehen das im ersten Moment, denn wir wollten so oder so ja maximal drei Wochen bleiben. Auf Nachfrage stellt sich dann aber schnell heraus, dass unsere Hosts kurzen Prozess machen wollen und die beiden rausschmeißen –  noch am selben Tag sollen sie die Farm verlassen. Die Begründung? Absolut fadenscheiniger Bullshit, der mich sauer macht und Sandra die Tränen in die Augen treibt. Wir sind geschockt, mit so etwas hat keiner von uns gerechnet. Zu mir wurde nichts gesagt, aber die Botschaft ist deutlich: Zum arbeiten seit ihr gut genug, aber sobald ihr euch nicht so verhaltet, wir wir das wollen, schmeißen wir euch raus. Absolut unverständlich und sauer macht mich die Antwort auf die Frage, ob die beiden wenigstens noch eine Nacht länger bleiben können, um die nächsten Schritte zu planen. Das müsse man sich erst einmal überlegen. Die Hosts wirken herzlos und kalt. Ich weiß nicht, ob ich noch länger bleiben will. Ja, es hat Vorfälle gegeben, durch die ich die Entscheidung zum kleinen Teil nachvollziehen kann. Dennoch rechtfertigt nichts dieses Verhalten.

Nach langem Überlegen suche ich abends das Gespräch mit den beiden Hosts. Zwar bekomme ich mehr als deutlich vermittelt, dass ich ja nicht zu viel ihrer wertvollen Zeit verschwenden soll – doch das kümmert mich nicht, denn ich will schließlich wissen, wie es für mich weitergeht und ob wir überhaupt noch was mit den Pferden machen, wenn sich nach der Abreise der anderen beiden die Prioritäten der Farmarbeit womöglich verschieben. Was ich dann erlebe, sprengt meine wildesten Vorstellungen. Die beiden fühlen sich super durch meine Kritik, die ich sehr wohl an der Art des Rausschmisses der anderen übe, angegriffen. Obwohl ich nur reden wollte, befinde ich mich innerhalb von Minuten in einem Streitgespräch, werde persönlich beschimpft und beleidigt. Ich ziehe die Reißleine, sage, dass ich die Farm ebenfalls verlassen werde. Ich bin geschockt und enttäuscht, wie man sich so in Menschen täuschen kann. Zwar hatte ich relativ schnell ein komisches Gefühl, aber nie hätte ich gedacht, dass ein Gespräch (zwischen immer noch Fremden) so derartig ausarten kann. Doch gerade Al, der mich als dumm und Depp beschimpft, macht mir meine Entscheidung sehr leicht – denn sowas muss ich mir nicht geben. Ich verlasse ihr Grundstück und gehe zurück zum Saloon. Hinter einem Schuppen zünde ich mir eine Zigarette an – und heule. Sowas ist mir noch nie passiert, ich bin verletzt und frage mich zu gleich, was ich falsch gemacht habe. 

Sandra und Andrej schauen mich erwartungsvoll an und wissen Bescheid, als sie mein Gesicht sehen. Da sie – bzw. wir – doch noch einen Aufschub bekommen hatten, packen wir am nächsten Tag unsere Sachen, stopfen sie und uns mit in das kleine Auto hinein – und flüchten von dieser Farm, die uns so gar kein Glück gebracht hat und auf der die Besitzer lieber weiterhin in völliger Isolation leben sollten, statt Fremde zu sich einzuladen – denn mit Gastfreundschaft und der Idee von Workaway hat das rein gar nichts zu tun. 


Vielleicht fragt sich wer, weshalb ich diese unschöne Geschichte so in aller Breite erzähle. Für mich ist das so: Ich möchte offen und ehrlich sein – denn es ist eben nicht alles immer schön auf und am Reisen. Man erlebt nicht immer nur tolle Momente, sieht atemberaubende Landschaften und trifft interessante und herzliche Menschen. Scheitern (wenn man es so nennen mag) gehört auch auf Reisen dazu – vielleicht weil man an sich scheitert oder wie in diesem Fall, einfach einen Griff ins Klo macht und Menschen trifft, von denen man sich im Nachhinein wünscht, man hätte sie nie getroffen. Auf Reisen passieren eben neben all den tollen Erlebnissen auch eher nicht so schöne Dinge – und davon wahrscheinlich nicht mal wenige. Des Pudels Kern ist nur, wie man damit umgeht. Was man mitnimmt, was man annimmt – und was nicht. Erwartungen und Vorstellungen erfüllen sich nicht immer. Um mit Rückschlägen umzugehen, braucht es eine gewisse geistige Flexibilität. Entweder, sich an die gegebenen Umstände anzupassen und das Beste draus zu machen und beim nächsten Mal eventuell die eigenen Erwartungen etwas runterzuschrauben. Oder aber, wie es mir hier passiert ist, die Reißleine zu ziehen, anderen Menschen seine persönlichen Grenzen eindeutig aufzuzeigen und die Situation abzubrechen. Denn auch das ist eine Erfahrung, die man auf Reisen mitnimmt. Und dafür sind wir ja schließlich auf Reisen: Um Erfahrungen zu sammeln und zu lernen.  

Wie wir mit Fichten unser Geld verdienten

In den vergangenen zwei Monaten drehte sich alles um diese wunderbaren immergrünen Nadelbäume. Da wir während der Zeit des Corona-Lockdowns nicht wie gewohnt reisen können, uns aber auch nicht langweilen wollen, beschließen wir Anfang Mai uns einen Job zu suchen. Uns schwebt ein Farming-Job vor, bei dem wir zum einen immer draußen an der frischen Luft und der Sonne sind sowie zum anderen nicht zu viel unter Leuten sein müssen, da wir das Virus wirklich ungern verbreiten wollen. Also gesagt getan. Sophie hat eine ganze Menge Angebote im Netz rausgesucht – alle in der Nähe des Okanagan Valley, wo wir ja bereits schon unsere Quarantäne-Zeit verbracht hatten und wo gefühlt immer die Sonne scheint. Üblicherweise erledigen solche Jobs hier Saisonarbeiter aus Mexiko, welche jedoch wegen des weltweiten Lockdowns nicht einreisen dürfen. Quasi wie in Deutschland mit den polnischen Arbeitern und der Spargelernte.

Ehrgeizig wie wir nun mal sind, bewerben wir uns auf die besten Jobs – online oder per E-Mail. Irgendwie hatte ich aber mal gehört, dass es in Kanada einfacher wäre einen Job zu finden, wenn man einfach mal vor Ort anruft, um sich vorzustellen. Also beschließe ich für ein vielversprechendes Angebot in Alberta mal den Hörer in die Hand zu nehmen. Wir vereinbaren ein gemeinsames Skype-Gespräch. Nach einem netten Gespräch zu dritt vor den Bildschirmen ist klar – wir kriegen den Job. Doch sollen wir ihn auch wirklich annehmen?

Ich habe ein mulmiges Gefühl. Noch wenige Tage zuvor hatte Sophie beschlossen nach Hause zu fliegen. Nur weil ihr Flieger gecancelt wurde und die Alternative ein 36 h Flug mit mehreren langen Aufenthalten auf diversen Flughäfen gewesen wäre, ist sie nun doch bereit länger zu bleiben. Und unsere künftige Arbeit soll darin bestehen junge Fichten von vier bis fünf Jahren im Wald zu suchen, diese auszugraben, einzutüten und auf einen Hänger zu laden. Insgesamt würden wir in diesen zwei Monaten fünf- bis sechstausend Bäume ausgraben und für jeden Baum würden wir 3 Dollar bekommen, zudem würde vor Ort eine Unterkunft für uns bezahlt, heißt es vom anderen Ende der Leitung. Sophie freut sich darauf mal ordentlich Kohle in Kanada zu verdienen. Zusammen 18.000 Dollar in zwei Monaten – so viel Geld hatte sie in Deutschland noch nie verdient und sie will den Job unbedingt. Doch hat sie schon jemals im Leben einen Baum ausgegraben? Hat sie eine Ahnung wie anstrengend der Job sein würde? Würden wir wirklich so viel verdienen oder will er uns mit der Aussage nur locken? Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fahre ich uns drei nach Alberta, denn ja – auch ich will den Job.

Angekommen in Alberta erschrecken wir doch sehr wie anders das Klima hier noch ist, denn in unseren ersten Arbeitstagen werden wir mit einem Wechsel zwischen tosendem Wind und eisigem Schneehagel begrüßt. Gefühlt sind wir nicht 400 km in den Nordosten gereist, sondern 6 Wochen in die Vergangenheit. So haben wir uns die Arbeit im freien wahrlich nicht vorgestellt! Zudem gibt es eine wesentliche Änderung zu der Absprache am Telefon, denn außer uns wurde noch eine dritte Person eingestellt, die fleißig Bäume ernten soll. Deshalb werden wir wohl nicht ganz so viel verdienen können, wie ursprünglich gehofft, aber in diesen schweren Zeiten, in denen Tausende von Menschen ihre Jobs verlieren, ist es durchaus verständlich, noch einen weiteren Arbeitsuchenden einzustellen. Eigentlich schön denken wir uns, so haben wir wenigstens noch etwas Gesellschaft und können weiter an unseren Englischkenntnissen feilen. Wir hatten ja anfangs keine Ahnung wie sich unser Verhältnis zu Maclean noch entwickeln würde.

Untergebracht sind wir in einem Motel in Sundre, in dessen Umgebung wir die Bäume ausgraben sollen. Das Motel ist allerdings bei weitem keine Luxusunterkunft. Ein großes Leuchtschild an der Straße bewirbt das Motel mit „COLOR TV“ und lässt damit bereits von weitem vermuten, wie lange der Schuppen schon nicht mehr modernisiert wurde. Im Kühlschrank finden wir noch einen alten Käse unseres Vorgängers – lecker und schön, dass sie den für uns drin gelassen haben. Der Teppichboden wird nicht gesaugt, sondern stattdessen gekehrt und das sieht man ihm auch an. Die Turbo-Herdplatten lassen den ganzen Raum herrlich nach Fritteuse riechen, sobald man sie benutzt und die fette Röhre mitten im Raum schalten wir so gut wie nie an, da im kanadischen Fernsehen ungefähr doppelt soviel Werbung läuft wie im deutschen.

Sophie ist so sauer über die Unterkunft, dass sie am liebsten gleich wieder in den Van ziehen will. Aber da gibt’s dann halt wieder keine Dusche, kein Klo und kein Internet. Also müssen wir uns damit abfinden und so schruppt Sophie in unserer ersten Nacht noch bis halb zwei die Bude und richtet sie liebevoll mit Utensilien aus dem Van ein, sodass wir uns etwas wohler fühlen können. Danke dafür liebste Sophie!

Die Orte an denen wir die Bäume suchen sollen, sind verschiedene private Grundstücke – alle sind dutzende Hektar groß und haben irgendwo einen schönen Zugang zum Fluss. Es sind teilweise wirklich beeindruckend schöne Orte mit bezaubernden Lichtungen, riesigen Bieberdämmen, dekadenten Campingplätzen und hier und da ist auch mal eine kleine Holzhütte im Wald oder direkt am Fluss zu finden. Während wir schweißgebadet unsere Mittagspause machen, träumen wir von einem kleinen Festival auf einem der Grundstücke mit all unseren Freunden und Musik bis weit nach dem Morgengrauen. Das Tanzen fehlt uns. Unsere Freunde auch.

Doch jetzt sind wir hier zusammen mit Maclean, graben Bäume aus und wie erwartet übersteigen die Anstrengungen Sophies kühnste Vorstellungen. Die Schmerzen im Rücken und in den Händen machen uns beide zwischenzeitlich echt fertig. Außerdem schaffen wir es kaum mehr für unsere deutschen Jobs weiter zu arbeiten, da wir jeden Tag so ausgelaugt sind, dass wir es gerade mal noch schaffen, Abendbrot zu bereiten und direkt danach in den Schlaf fallen. Haben wir mal einen Tag frei, schlafe ich bis Mittags und bleibe danach einfach im Bett liegen, weil mir alles so weh tut, dass ich mich nicht bewegen möchte. Sophie geht es besser, denn wir haben einen tollen Weg gefunden, wie wir diesen Job gut als Team bewältigen können. Ich grabe einfach alle Bäume aus und Sophie packt sie ein, lädt sie aufs Quad und düngt sie am Ende. Eigentlich ein guter Deal für mich, muss ich doch viel weniger machen. Doch bei den immer gleichen Bewegungen habe ich einen meiner Muskeln im Rücken so überstrapaziert, dass zwischenzeitlich gar nichts mehr geht. Der Schmerz strahlt bis in die Brust. Zum Glück bekommen wir ein paar Tage frei, sodass ich mich erholen kann.

Und wie ist nun die Beziehung zu unserem Kollegen Maclean? Am Anfang verstehen wir uns sehr gut, er ist immer sehr freundlich und wir quatschen regelmäßig über dies und das. Am ersten Tag laden wir ihn auf ein Bier ein und wir verbringen einen recht geselligen Abend. Später erfahren wir, dass er das Bier nur aus Höflichkeit angenommen hat und sein letztes schon mehrere Jahre zurückliegt. Die kleinen Freuden des Lebens scheint er auch sonst nicht besonders zu genießen, so mag er beispielsweise keinen Kaffee, keine Schokolade, keine Pizza, kein Cannabis und als wir ihn zu seinem Geburtstag mit einer Cookie-Dough-Eistorte der teuersten Art überraschen, schlägt er auch diese aus. Wir verspeisen die Torte später also alleine… Was ist passiert, dass er nicht einmal mehr höflich genug war, um ein Stück Eistorte zum Geburtstag anzunehmen? (Ich mein, wer mag schon kein Eis? Und wer mag keine Torten? Und wer zur Hölle mag die Mischung aus beiden nicht???) Ganz ehrlich – wir wissen es nicht genau. Die Chemie stimmt wohl einfach nicht. Manchmal macht er uns auch ein wenig Angst, beispielsweise als wir ihn wutentbrannt im Wald schreien und fluchen hören. Wir wundern uns worauf er so sauer ist – schließlich ist er ganz allein im Wald. Als ich ihn darauf anspreche, erklärt er mir, dass es ihn aufrege, dass die American Natives mehr Transparenz in der Außenpolitik Kanadas fordern. Was ein komischer Typ, dass er deshalb wütend durch den Wald schreit. Vielleicht ist er aber auch nur sauer, weil er wegen Corona seinen Job als Schwimmtrainer verloren hat und jetzt stattdessen scheiß Fichten im Wald ausgraben muss… Je länger wir dort arbeiten, desto mehr Abstand versuchen wir zu Maclean zu halten.

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Und stimmt die Kohle nun? Ich würde sagen am Ende ist der Deal nicht allzu schlecht. Zwischenzeitlich bekommt jeder von uns um die 1000 Dollar pro Woche und am Ende haben wir zusammen um die 3700 Bäume ausgegraben. Doch die Menge an Bäumen wird zum Ende der Saison immer weniger, sodass es sich irgendwie nicht mehr so richtig lohnt und Sophie beschließt zu kündigen, um sich auf ihr nächstes Workaway zu begeben. Ich bleibe noch da, kann aber wegen Schlechtwetter auch nur noch einen Tag länger Bäume pflücken. Den Rest der Zeit verbringe ich mehr oder weniger im 5-Sterne-Wohlfühlmotel und plane meinen nächsten Trip in die Berge. Ganz am Ende der Saison sind wir wohl alle drei glücklich, dass der Job vorbei ist und dass wir so etwas nie wieder im Leben machen müssen. Meine letzte Amtshandlung im Motel ist es – und das ist nämlich das einzig Gute an der Unterkunft – ein heißes Bad zu nehmen und nochmal so richtig zu entspannen, denn das wird mir wohl künftig schnell wieder fehlen.

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Von Kälbchengeburten bei -25 Grad und Sofas auf Skiern

Rückblick: Auf dem Weg in den Yukon

Wir verlassen Enderby, Ilona und die Farm am 9. März. Das Ziel: Der Yukon. Als eins von drei Territorien ist es nicht selbstverwaltet wie die restlichen zehn Provinzen Kanadas, sondern steht unter der direkten Kontrolle der Regierung in Ottawa. Das hat unter anderem mit der äußerst dünnen Besiedlung des Yukons zu tun: 3/4 der gerade einmal 38.000 Einwohner wohnen in der Hauptstadt Whitehorse – das Endziel unserer geplanten Reise. 40 Kilometer außerhalb von Whitehorse haben wir ein neues Workaway auf einer Farm gefunden – harte körperliche Arbeit, Solarstrom und kein fließendes Wasser bei zweistelligen Minusgraden. Naja, die Erfahrung ist es wert – und es ist ja auch nur für zwei Wochen. Während unseres ersten Workaways haben wir gemerkt, wie viel schöner es ist, für längere Zeit an einem Ort zu sein, als alle paar Tage „weiterzuhetzen“. Nicht nur ab und an den Bus gegen ein warmes Haus und den Luxus einer Dusche (gerade im kanadischen Winter) einzutauschen, sondern die Menschen richtig kennenzulernen. Unser Englisch hat sich in den sechs Wochen bei Ilona ziemlich verbessert und Dinge wie Alpakas die Zehennägel zu schneiden – hätten wir sonst wohl nicht erlebt. Dennoch freuen wir uns auf die Reise in den Yukon, denn es ist Zeit, weiterzuziehen – und mit ein wenig Glück Nordlichter zu sehen.

So starten wir mit milden Temperaturen und Sonnenschein in Richtung Norden. Diese Frühlingsboten werden wir schneller hinter uns lassen, als uns lieb ist. Wir planen für die 2.500 km lange Strecke etwa drei Wochen ein. Genug Zeit zum Anhalten, Entdecken, Längerbleiben. Wir haben uns nicht fest mit den Hosts im Yukon verabredet, wollen keinen Zeitstress – vor allem nicht, da wir in einem 30 Jahre alten Van unterwegs sind. Unser Weg führt uns in unseren ersten richtigen Nationalpark, für den wir noch schnell für 150 CAD einen Parkpass bestellen. Ohne darf man nämlich in keinen der 47 kanadischen Nationalparks (dass das im Winter absolut niemanden interessiert, wussten wir da noch nicht). Wir verbringen die erste Nacht auf dem verschneiten Rogers Pass im Glacier National Park. Hier stehen wir zusammen mit einigen hartgesottenen Campern, die in den Bergen Ski fahren. Wir ignorieren das No Overnight Parking-Schild und quatschen ein bisschen mit den Leuten vor Ort. Schnell haben wir alle möglichen Tipps zu Lokalitäten und Orten, die wir unbedingt auf unserer Reise in den Yukon besuchen sollen. Ich versuche mir die Empfehlungen zu merken – und vergesse alles. Nach einem Kaffee und dem Besuch im Visitor Center, bei dem wir noch etwas über die heimische Tierwelt (Bären, Luchse, Mountain Goats, Cougars) und die heimische Lawinenwelt (eigentlich durchgängige Gefahr) lernen, machen wir uns auf in Richtung Jasper.

unser erster nationalpark – jasper

Jasper liegt an der Grenze zwischen British Columbia und Alberta. Von Banff aus geht die Fahrt 288 Kilometer über den verschneiten – und im Sommer vielleicht noch beeindruckenderen – Icefields Parkway in Richtung Norden. Im Sommer bevölkern Touristenmassen den Park, auch wenn diese sich dank seiner Größe mehr verlaufen als in seinem Bruder Banff. Wir planen zwei Nächte in Jasper, was rückblickend betrachtet viel zu wenig Zeit ist. Da es in Jasper wie in den meisten Nationalparks verboten ist, wild zu campen, fahren wir mit Elliott auf den einzigen Campingplatz, der in der Nebensaison geöffnet hat. Außer uns befinden sich gerade einmal fünf oder sechs andere Camper auf dem riesigen Platz. Nach einer heißen Dusche gibt es abends endlich, endlich das erste Lagerfeuer. Das habe ich mir ziemlich lange gewünscht und musste auch extra mit einem Fire-Permit erkauft werden. Es gibt Stockbrot und Rotwein. Zufrieden schlafen wir ein. Der Blick morgens aus dem Fenster ist atemberaubend: Grau mit schneebedeckten Gipfeln türmen sich die Rocky Mountains rechts von uns auf, die Spitzen in den Wolken versunken. Der Nationalpark Jasper liegt mitten in den Rockys – hier reihen sich Postkartenmotive an Postkartenmotive. Wir fahren in den kleinen gleichnamigen Ort und leihen uns Schneeschuhe aus. Schneeschuhwandern ist gar nicht mal so einfach wie wir dachten, statt normal zu laufen sehen wir aus wie zwei watschelnde Enten. Als wir es dann raus haben, geht es doch ganz gut und wir machen einen Spaziergang durch den Tiefschnee, über einen gefrorenen Bach hinein in einen kleinen Canyon. Entlang der malerischen Maligne Lake Road geht es vorbei am Medicine Lake zum Maligne Lake. Wo sich im Sommer die Touristen tummeln, haben wir das Gefühl, den kompletten Nationalpark für uns zu haben.

Couchsurfing in Prince George

Von Jasper aus geht es weiter Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist Prince George im Norden von B.C. Hier wollen wir via Couchsurfing zwei Nächte bei Britta und Dan verbringen. Aus den zwei Nächten werden vier und wir verbringen wohl eine der bisher schönsten Zeiten in Kanada. Britta kommt eigentlich aus Deutschland und ist mit ihren Eltern als Kind ausgewandert. Ihr Vater, der mit auf dem großen Grundstück lebt, freut sich sichtlich, mal wieder Deutsch zu reden. Wir fühlen uns sofort zu Hause. Wir besuchen die Tiere auf der Farm (Hühner, Schweine mit klitzekleinen Ferkeln, Rinder und Pferde) und Britta und ich können sogar eine Runde reiten. Ist bestimmt 5 Jahre her, dass ich das letzte Mal auf einem Pferd saß. Ich denke mir, naja wird wohl wie Fahrradfahren sein, das verlernt man nicht – Pustekuchen, ich hab wirklich so gut wie alles vergessen und meist fällt mir zu spät ein, was meine Beine und Fersen da tun – nämlich dann wenn Dove, die dicke weiße Pferdedame, mürrisch lostrabt oder alternativ stocksteif stehen bleibt und einfach umdreht, um zurück in den warmen Stall zu laufen. Zugegeben, verübeln kann man es ihr nicht – denn wir erleben mit -25 Grad in Prince George die bisher kältesten Tage und Nächte. Umso dankbarer sind wir, diese nicht in Elliott, sondern einem warmen Bett verbringen zu können. Am nächsten Morgen macht eine Kälbchengeburt das Landleben-Erlebnis unvergessen. Der schwarzen, flauschigen Kuh geht es nicht gut und Britta und Dan müssen sie bei der Geburt unterstützen. Wir ziehen uns hinter einen großen Heuballen zurück, um die gestresste Kuh nicht weiter zu stören. Nach einigen Minuten lauten Muhens auf Seiten des Tieres und angestrengten und gleichzeitig vorsichtigen Ziehens auf Seiten der Menschen, ist es geschafft: Ein kleines schmieriges und zitterndes Kälbchen erblickt das Licht der Welt und muss erstmal lange von seiner Mutter trockengeschleckt werden, bevor es auf dünnen Beinchen aufsteht und das erste Mal trinkt. Die Situation ist so berührend, dass mir hinter meinem Heuballen die Tränen kommen. Schnell versuche ich, sie wegzublinzeln. Will mich hier jetzt schließlich auch nicht als Stadtkind outen. Nachmittags erleben wir, wie Kanadier mit gefühlten 10 Monaten Winter und 2 Monaten Sommer wirklich umgehen: Wir binden ein altes Sofa auf Skiern an ein Quad, und heizen damit über die schneebeckten Wiesen. Ich weiß nicht, was mir mehr die Tränen ins Gesicht treibt: Der beißende, eiskalte Wind oder die nicht enden wollenden Lachanfälle. Wir essen das größte Eis unseres Lebens bei -10 Grad und machen mit den Hunden lange Spaziergänge. Abends versuchen wir Dan für vegetarisches Essen zu begeistern und schauen Jagd–TV Shows (the real Canadian Life halt). So geht unsere Zeit in Prince George zu Ende und wir fahren mit dem Versprechen, uns möglichst im Sommer im Okanagan Valley wiederzutreffen. Ich bin betrübt, als wir den Hof verlassen und mit Elliott über die vereiste Zufahrt schlittern – denn in Dan und Britta haben wir die ersten richtigen Freunde in Kanada gefunden.

Die nächsten Tage führen uns auf dem Highway 97 durch unschöne Städte, aber umso schönere Natur. Nadelwälder so weit das Auge reicht, schneebedeckte Wiesen, gefrorene Flüsse. Obwohl die meisten Tiere Winterruhe halten, begegnen uns zumindest Rehe und wir sehen sogar Wölfe. Auf Empfehlung von Dan und Britta fahren wir nach Tumbler Ridge, um zu einem Wasserfall zu wandern. Wir landen am Ende bei einem ganz anderen und schaffen es nur mühsam mit Schneeketten zum Ausgangspunkt der Wanderung. Der tatsächliche Wanderparkplatz ist verschneit, die Zugangsstraße nicht geräumt. Wir suchen uns eine halbwegs geräumte Stelle zum Übernachten und sind natürlich die einzigen. Am nächsten Tag brechen wir am späten Morgen zur Wanderung auf, die sich als eine ziemliche Tortour herausstellen soll. Im Sommer sicherlich ein schöner Tagesausflug mit vielen Haltepunkten und Lookarounds, ist die Strecke im Winter einfach nur pain in the ass: Die steilen Pfade sind verschneit und vereist, ich bewege mich abwechselnd auf Knien im Vierfüßlergang oder rutschend auf meinem Hintern fort. Wir kommen nur langsam voran und immer wieder habe ich tierische Angst auf bereits aus der Winterruhe aufgewachte Bären oder Elche zu treffen, wenn es irgendwo in den Bäumen knackt. Bärenspray haben wir natürlich wie immer keins dabei. Nach den ersten 3 Stunden gibt es zumindest ein Belohnungsbier am Fluss. Als wir nach 4 Stunden endlich an dem wirklich beeindruckenden zugefrorenen Wasserfall ankommen, bin ich fix und fertig. Ein paar schnelle Fotos und dann müssen wir auch schon wieder zurück – denn es dunkelt bereits und die teilweise sehr schmalen, vereisten Pfade mit den nach links und rechts steil abfallenden Abhängen wollen wir wirklich nicht im Dunkeln laufen. Wir schaffen es nach 3 Stunden mit Nachteinbruch zurück zum Van. Stolz und völlig fertig reicht es noch für Tee und Abendbrot, bevor wir ausgehen.

Ein gefrorener See mit duzenden Häuschen zum Eisfischen, viele haben einen Kamin eingebaut
ein engel auf dem Highway

Weiter geht es nach Dawson Creek. Internet- bzw. überhaupt Telefonempfang gibt es auf der Strecke fast nie. So bekommen wir erst spät mit, was wirklich während Reit- und Quadausflügen und Mörderwanderungen in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt geschieht. Bei Dawson Creek haben wir schließlich unsere erste Autopanne. Während auf dem Highway die Motorlampe aufleuchtet und ich mich noch kurz wundere, wie der nasse Kies unter Elliott so dermaßen aufstauben kann, schreit mich Chrissi vom Beifahrersitz schon an, sofort anzuhalten und den Motor auszumachen. Aus der Motorhaube quillt im gleichen Moment dermaßen viel weißer Rauch, dass auch mir jetzt klar wird, dass es nicht der Kies war, der da so staubt. Wir steigen schnell aus dem Bus und öffnen die Motorhaube, damit der völlig überhitze Motor abkühlen kann. Wir warten eine Stunde, bevor wir etwas Kühlflüssigkeit nachfüllen und es nochmal versuchen wollen – zumindest zurück zur Stadt, damit wir Elliott notfalls zur Werkstatt bringen können. Wir schaffen es gerade einmal 500 Meter, bevor das Auto vorne wieder in weißem Rauch aufzugehen scheint. Entnervt steigen wir aus – mit einer Fortbewegung von 500 Meter pro Stunde brauchen wir so einige Tage, um zurück nach Dawson Creek zu kommen – und dann vielleicht mit kompletten Motorschaden. Doch noch als wir so rumstehen und ratlos auf die rauchende Motorhaube starren, hält ein weißer Pick up neben uns und ein Typ steigt aus. „Hey ihr seht aus, als bräuchtet ihr Hilfe, what’s going on?“ Wir erklären ihm, dass der Bus scheinbar Kühlerflüssigkeit verliert und wir zwar schon nachgefüllt haben, jetzt aber auch keine mehr hätten. Und dann kommt es zu einer etwas bizarren Situation: Der Typ holt einfach 3 Kanister mit á 15 Litern Kühlflüssigkeit aus seinem Pick up und füllt die in Elliott. Der immer noch heiße Bus zischt und spuckt wie ein Vulkan und wir fragen uns, wie es sein kann, dass so viel Coolant rein passt, wo wir selbst immer nur ein paar hundert Milliliter nachgefüllt haben. Dann passiert es: mit einen Plopp laufen 20 Liter Kühlflüssigkeit im Strahl unten aus Elliott wieder raus, als wäre sie inkontinent. Jesus, da haben wir das Problem. Doch eigentlich ist es gar keins, denn schon liegt der Kanadier mit einem Hammer mitten auf dem Highway unter unserem Bus und hämmert (was auch immer, ich habe absolut keine Ahnung) irgendwas wieder fest, um das Auslaufen der Kühlflüssigkeit zu stoppen. Es funktioniert, sodass wir zumindest die 10 Kilometer zurück in die Stadt schaffen können. Noch ein bisschen neue Kühlflüssigkeit und dann grinst uns der Typ an und verabschiedet sich. Wir wollen ihm zumindest die 3 Kanister nicht gerade billige Kühlflüssigkeit bezahlen – doch er lehnt ab. Als er ins Auto steigt, sind wir baff – da haben wir wohl wirklich so etwas wie einen Engel getroffen. Und wir sind uns sicher: In Deutschland hätten wir dafür weitaus größeres Glück gebraucht.

Eine Entscheidung

Während Elliott in der Werkstadt repariert wird, beschäftigen wir uns das erste Mal ausgiebig mit der Corona-Situation. Uns wird angesichts der Geschichten aus Italien und Spanien ganz anders. Nicht nur Deutschland befindet sich im Lockdown, auch in Kanada macht nach und nach immer mehr zu. Auch wenn die Fallzahlen zu dieser Zeit gerade einmal 1/10 derer in Deutschland betragen, schließen Recreation Center, Campingplätze, Geschäfte und schließlich auch National- und Provincial Parks. Ich höre, dass die Bewohner des Yukons keine Reisenden mehr haben wollen. Zwar ist bisher nur die Grenze in die Nordwest-Territorien geschlossen, doch es scheint so, als würde auch die in den Yukon bald nachfolgen. Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Wir sind immer noch 1500 km von Whitehorse entfernt. Selbst wenn wir durchballern, brauchen wir dafür mindestens 9 Tage – wer weiß, ob die Grenzen bis dahin noch offen sind. Außerdem will ich auf keinen Fall für Monate im Yukon feststecken, denn eigentlich haben wir so oder so nur 3 Wochen geplant, bevor es mit der Fähre durch Alaska wieder zurück auf Vancouver Island gehen soll. Ich schreibe mit den Hosts des nächsten Workaways. Bin mir unsicher, denn ich möchte selbst auf keinen Fall eine Gefahr für andere darstellen – und ganz besonders nicht im ländlichen Yukon, in dem es kaum ausreichende medizinische Krankenversorgung gibt. Wir diskutieren, streiten. Mir geht der Arsch auf Grundeis, überlege sogar nach Hause fliegen. Dazu noch eine Nachricht aus Deutschland, die mir die Heimweh-Tränen in die Augen treibt. Wir beschließen, für einige Nächte in ein Motel zu ziehen. Ich hänge ununterbrochen am Handy, lese so viele Nachrichten, bis es mir schlecht geht. Ich lese auf der Webseite der Fähre durch die Alaska Inside Passage, dass alle Reisenden während der Fahrt im Auto unter Deck bleiben müssen und nur ausnahmsweise für die Toilette aussteigen dürfen. Also nichts mit Whale Watching. Wir diskutieren, ich versuche Chrissi davon zu überzeugen, dass wir unter diesen Umständen auch keine 600 CAD für die Fährfahrt zahlen sollten. Am Ende einigen wir uns darauf, die Fahrt zu canceln, was glücklicherweise auch funktioniert. Die Tage im Motel sind nicht schön. Alles steht in den Sternen: Wie soll es weitergehen? Umdrehen? Weiterfahren? Nach Hause fliegen? Bis auf weiterfahren stehen bei mir alle Optionen offen. Chrissi will am liebsten weiter in den Yukon, kann sich nicht vom Ende seiner Pläne verabschieden. Es ist anstrengend. Ich versuche, von Whitehorse einen Flug nach Deutschland zu buchen. Kann man vergessen. Am Ende entscheiden wir uns für einen Kompromiss: Wir drehen um. Buchen uns ein airbnb in Kelowna und warten ab, wie sich die Situation entwickelt. Wir packen die Sachen, tanken Elliott voll und fahren schwermütig zurück, 1000 Kilometer Richtung Süden. Es ist die richtige Entscheidung.

Fazit nach einem Monat Vanlife: 5 Dinge, die ich gelernt habe

Hier kommen die 5 Dinge, die ich während unser ersten vier Wochen mit und in Elliott gelernt habe.

1. Es ist romantischer als es aussieht.

Natürlich war ich mir bewusst, dass die Instagram-Realität von #vanlife nicht so ganz der Wirklichkeit entsprechend wird – schon gar nicht der eines nasskalten, grauen, verregneten kanadischen Winters in der Nähe von Vancouver.

Dennoch habe ich mir unser neues Leben im Bus ziemlich romantisch ausgemalt: Lichterketten im Bus, idyllische Stellplätze am Ozean, lauthals Musik hören und die Spotify-Playlist rauf- und runtergrölen, Blick auf den Ozean beim Öffnen der Heckklappe, mit anderen Van-Reisenden am Lagerfeuer sitzen und frühmorgens heißen Kaffee trinken und aus beschlagenen Scheiben Wildtiere beobachten. Tja – ich muss sagen: manches hat sich bewahrheitet – das meiste aber (bis jetzt noch) nicht.

Das liegt höchstwahrscheinlich am bereits erwähnten kanadischen Winter, der uns hier jeden zweiten Tag mit Regen begrüßt. Dennoch entwickelt man nach dem ersten Monat im Bus so langsam eine feste Routine

Aufstehen, Kaffee kochen first, Frühstück zusammenschustern & im Stehen ohne Teller essen, um Geschirr zu sparen (und weil man keinen Tisch hat). Alles zusammenpacken & niet- und nagelfest befestigen, damit es beim Fahren nicht durch den Bus fliegt. Darauf hoffen, dass ein Klo in der Nähe ist – ansonsten den anderen dazu anspornen, schneller zu frühstücken & schneller zu packen.
Bei Regen: Entweder wieder hinlegen oder ab ins nächste Café/öffentliche Bibliothek, ein bisschen (am Blog) arbeiten.
Bei Sonne: in den nächsten Provincial Park fahren, spazieren oder wandern. Abends: Stellplatzsuche, Rotwein, viel zu aufwendiges Abendbrot für 1qm Küche kochen, Bücher lesen, Geschichten erzählen, schlafen.

Doch irgendwie auch ein bisschen romantisch, oder?

2. Irgendein Stellplatz ist ein Stellplatz.

Wie bereits erwähnt war ich so naiv zu glauben – danke Instagram für komplett unrealistische Erwartungen – dass wir immer und jeden Tag mit Elliott einen wunderschönen Stellplatz finden werden: am rauen Pazifik, unter hochhaushohen Tannen, zu Fuße eines Berges, mit Blick auf einen jadefarbenen See.

Dem ist nicht so. Ich würde sagen, rückblickend betrachtet haben wir die Nächte der vergangenen vier Wochen häufiger auf irgendwelchen hässlichen Walmart-, Home Depot- oder Starbucks-Parkplätzen verbracht, als in der freien Natur. Meistens mussten wir irgendwas in der Stadt erledigen, waren auf Durchreise, in einer Metropolregion sich aneinanderreihender Ortschaften oder wollten am nächsten Tag duschen oder arbeiten.

Innerhalb der Städte ist Overnight-Parking aber an unmöglich vielen Plätzen verboten – und auch unsere Karten-Apps machen die Suche oftmals nicht einfacher. Daher landen wir nicht selten abends übermüdet auf Parkplätzen großer Konsumtempel. Nicht schön. Aber immerhin gibt’s dann abends Wifi und Netflix.

3. Thank God for Recreation Center.

Die elementarste Frage, die sich stellt, wenn man im Bus lebt, ist – wie kann es anders sein – „Wo und wie kann ich duschen?“ Diese Frage wird umso drängender, je länger die letzte Säuberung des Körpers mit Frischwasser zurückliegt und auch der Partner sich bereits von einem wegdreht. Im Sommer könnte biologisch abbaubares Duschbad und ein See oder eine Campingdusche Abhilfe schaffen. Diese Aussicht erscheint uns allerdings bei Minusgraden wenig verlockend. 

Da die Haare aber nicht dauerhaft vor Fett von alleine stehen sollen & ich im Gammellook abends auch nicht unbedingt die Pub-Kultur British Columbias erkunden möchte, müssen Alternativen her:

Unsere erste Idee war die scheinbar obligatorische Mitgliedschaft im Fitnessstudio – natürlich ohne die Sportgeräte jemals nur zu berühren. Die ist in Kanada aber nicht gerade billig, vor allem weil man eine Kette finden muss, die möglichst großflächig im ganzen Land vertreten ist. Zur Zeit haben wir Gott sei Dank eine andere – und bessere – Möglichkeit gefunden. In British Columbia gibt es in beinahe jeder Stadt Recreation oder Aquatic Center. Diese öffentlichen Freizeitzentren haben in der Regel ein Schwimmbad mit Hot Tub, meist ein Dampfbad und manchmal sogar eine Sauna (ein kleines Fitnessstudio ist oft auch mit angeschlossen). Für alles zahlt einen einmaligen Eintritt von 5 bis 7 CAD, also um die 3 bis 5 Euro. Wir haben sogar schonmal nur 2 CAD bezahlt und fragen häufig auch nur explizit nach einer Dusche, was dann nochmal sehr viel weniger kostet.

Nach einem Tag mit kalten Winterwanderungen (oder auch einfach 3 Tagen ohne duschen) ist das der Himmel auf Erden.

4. Starbucks wird dein neuer Place to be.

Ich persönlich war sehr lange Zeit kein Freund dieser (Beschreibung von Google) „kultigen Kaffee-Kette aus Seattle“. Mehr noch: Ich fand Starbucks echt bescheuert. Kaffee für 5 Euro in nem Plastikbecher mit Strohhalm? Nee danke, brauch ich nich‘.

Tja, und dann kam Kanada. In den letzten Wochen wurde Starbucks zu unserem 2. Zuhause: freies W-Lan, es ist warm, der Kaffee schmeckt wirklich gut (und im Gegensatz zu Deutschland zahlt man auch nicht 5 Euro für eine Tasse) und du kannst so lange sitzen bleiben, wie es dir gefällt, auch wenn du nur ein Getränk kaufst. 

Wenn man im Van lebt, ist die Suche nach freiem Internet eine Lebensaufgabe. Zwar haben wir uns eine kanadische Handynummer mit mobilem Datenvolumen gekauft, das ist aber a) nicht gerade günstig hier und b) haben wir es direkt mal innerhalb von 2 Wochen aufgebraucht. Für Recherchen nach Jobangeboten, Kontakt nach Hause, dem Blog und nicht zuletzt unserer Arbeit brauchen wir aber Internet. Daher verbringen wir zur Zeit wirklich viel Zeit in der Caféhauskette – gut, dass es selbst in einer Stadt mit rund 100.000 Einwohnern mindestens 15 Läden gibt.

Das einzige, was mir weiterhin missfällt: der Laden scheint überhaupt keine wiederverwendbaren Kaffeetassen zu haben? Oder weshalb bekommt man echt jedes Getränk in Papp- oder Plastikbechern?

5. Geh. Abends. Nochmal. Aufs. Klo.

Die drängendste Frage noch bevor „Wo kann ich duschen?“ ist: „Wo zum Teufel ist das nächste Klo?“. Auch diese Frage drängt sich einem wahrscheinlich nicht so dermaßen rabiat auf, wenn man mit seinem Bus die meiste Zeit in der Wildnis unterwegs ist und einfach hinter die nächste Hecke verschwinden kann. Da wir aber die vergangenen Wochen und Nächte aufgrund der Witterungsverhältnisse, unseren Tagesplänen und Elliotts Unzuverlässigkeit zum großen Teil in Städten verbracht haben, kann sich das Ganze schon schwieriger gestalten – vor allem dann, wenn man morgens mit voller Blase auf einem vollen Parkplatz mitten in der Stadt aufwacht

Natürlich ist der nächste Laden mit Toilette hier nie weit, denn die Kettenläden reihen sich wie am Schnürchen aneinander. Trotzdem ist es schön, zumindest noch einen Kaffee trinken zu können, anstatt am helllichten Tag im Schlafanzug mit Zahnpastaflecken und von Schlaf verkrusteten Augen in den nächsten Walmart zu laufen. Daher gilt: Unbedingt am Abend davor nochmal aufs Klo.